Strompreiserhöhung 2022

Der Strompreis steigt - was können Verbraucher tun?

Viele Stromanbieter heben zum 1. Januar 2022 die Preise an. Wir erklären die Gründe für die Strompreiserhöhung und verraten, wie Haushalte gegensteuern können. Zum Beispiel mit einer Sonderkündigung und einem anschließenden Anbieterwechsel.

von Thomas Rauh
Aktualisiert 12.12.2023
Strompreiserhöhung 2022 - Gründe, Tipps und Tarifvergleich
4.4 / 535 (35)
Strompreiserhöhungen

Überblick: Strom Preiserhöhung

  • Ankündigung schriftlich per Post
  • v.a. durch gestiegene Beschaffungs- und Netzkosten
  • evtl. Strom Preisabschlag anpassen
  • Verbrauchern steht eine Sonderkündigungsrecht zu
  • Wechsel zu einem anderen Stromanbieter möglich

Empfehlung: Stromtarife vergleichen & wechseln

Stromanbieter heben zum 1.1.2022 die Preise an

Gestiegene Preise für Öl und Erdgas sorgen bereits an den Zapfsäulen sowie beim Heizen für höhere Kosten. Spätestens jetzt kommt die Preiswelle auch beim Strom an. Denn in vielen Briefkästen landen derzeit Briefe der Stromanbieter mit dem Betreff: "Neue Preise ab 2022". Die Stromanbieter kündigen darin eine Strompreiserhöhung für 2022 an. Für viele Haushalte steigen deshalb ab dem 1. Januar die Preise für die Stromversorgung. Wer davon aktuell nicht betroffen ist, hat entweder schon 2021 einen Preissprung mitgemacht oder muss bis Mitte / Ende 2022 damit rechnen. Insbesondere Kunden, die aktuell einen Vertrag mit Preisgarantie haben, bleiben (zunächst) preislich stabil.

Um wieviel teurer wird Strom?

Wie hoch die Strompreiserhöhung 2022 ausfällt, hängt vom konkreten Stromanbieter und vom gebuchten Tarif ab. Einige Energieversorger verlangen künftig deutlich mehr und heben die Strompreise mitunter um 20%, 30%, im Extremfall sogar um bis zu 50% an. Bei anderen fällt die Strompreiserhöhung moderat aus und liegt bei 3%, 5% oder auch mal 10%. Eines wird jedoch deutlich auf dem Strommarkt sichtbar: Die Strompreise steigen 2022 fast durchweg an.

Von der Strompreiserhöhung 2022 sind in der Regel sowohl der Grund- als auch der Arbeitspreis betroffen. Der Arbeitspreis steigt dabei meist um einige wenige Cent pro Kilowattstunde an. Das mag auf den ersten Blick gering erscheinen, sorgt übers Jahr gesehen aber für beträchtliche Mehrkosten. Beispiel: Ein 4-Personen-Haushalt verbraucht im bundesdeutschen Durchschnitt circa 4.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Ein Preisanstieg um 5 Cent pro kWh bedeutet dabei jährliche Mehrkosten von 225 Euro. Liegt die Preisanhebung bei moderaten 2,5 Cent pro kWh ergibt sich immer noch ein Kostenanstieg von 112,50 Euro pro Jahr.

Hinzu kommt eine Anhebung des Grundpreises, welche die Gesamtkosten weiter in die Höhe schraubt. Der Strom Grundpreis fällt zwar geringer ins Gewicht, hier langen die Stromanbieter dafür aber oft besonders zu. Preissteigerungen von 20 Euro, 30 Euro, 40 Euro oder mehr pro Jahr sind keine Seltenheit. Unterm Strich lässt dies die monatlichen Stromgebühren um weitere 2 Euro bis 4 Euro ansteigen. Prozentual ergibt sich mitunter eine Preissteigerung von 25%, 30% oder noch mehr.

Wann steigen die Strompreise?

Die meisten Stromanbieter nutzen den Stichtag 1. Januar 2022 für ihre Preiserhöhung. Sie informieren ihre Kunden seit Oktober oder Anfang November über den anstehenden Kostensprung. Die Ankündigung muss dabei mit einer Vorlaufzeit von 4 Wochen oder für Kunden in der Grundversorgung sogar von 6 Wochen erfolgen. Dank der Vorlaufzeit haben Haushalte anschließend genügend Zeit, um zu reagieren. Sie können auf Wunsch noch rechtzeitig ihren Stromvertrag kündigen und zu einem anderen Stromanbieter wechseln.

Gründe für die Strompreiserhöhung 2022

Verantwortlich für die Strompreiserhöhung sind vor allem höhere Großhandelspreise an den Strombörsen sowie steigende Netznutzungsentgelte. Die Stromanbieter müssen den Strom, den sie an Endkunden vertreiben, also teurer beim Erzeuger einkaufen. Jene Energieversorger, die Strom selbst produzieren oder zumindest einen Teil davon, monieren auch hierfür gestiegene Erzeugerkosten, welche sie letztlich an Endkunden weitergeben. So mancher Versorger verweist im Brief an seine Kunden deshalb darauf: "vor allem die Kosten für die Energiebeschaffung sind deutlich gestiegen".

Der Strompreis setzt sich insgesamt aus drei Bestandteilen zusammen. Rund 51% machen Steuern und staatliche Abgaben aus. Hierunter finden sich zum Beispiel die Stromsteuer, die Mehrwertsteuer, die EEG-Umlage oder die KWK-Umlage. Die Netzentgelte für den Betrieb und Ausbau der Netze sowie für Messkosten beeinflussen rund 25% Prozent des Strompreises. Die verbliebenen 24 Prozent fallen in den Einflussbereich der Stromanbieter - hierunter etwa die Kosten für die Strombeschaffung, aber auch für Vertrieb, Marketing etc.

EEG-Umlage sinkt 2022 um 43%

Bei allen gestiegenen Kosten gibt es zumindest eine gute Nachricht für Verbraucher. Die EEG-Umlage sinkt 2022 um satte 43% von derzeit 6,5 Cent pro kWh auf nur noch 3,723 ct/kWh. Denn von den gestiegenen Preisen an den Strombörsen profitieren auch die Betreiber von Ökostrom-Anlagen, was wiederum den Förderbedarf solcher Anlagen verringert. Die niedrigere EEG-Umlage federt einen Teil der gestiegenen Kosten ab.

Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung

Bei einer Strompreiserhöhung steht Verbrauchern automatisch ein Strom Sonderkündigungsrecht zu. Dieses greift unabhängig von der verbleibenden Restlaufzeit des Vertrages und gilt für den Zeitraum der Preiserhöhung. Heißt: Selbst wenn der Stromvertrag noch eine Restlaufzeit von einigen Monaten besitzt, können Verbraucher den Vertrag zum Datum der angekündigten Preiserhöhung außerordentlich kündigen. Erhöht der Stromanbieter zum 1.1.2022 die Preise dann ist die Kündigung zum 1.1. möglich. Die Restlaufzeit wird hinfällig.

Das gehört ins Sonderkündigungsschreiben wegen Strompreiserhöhung

Die Kündigung beim alten Stromanbieter müssen Verbraucher zwingend selbst verfassen und einreichen. Erst nach erfolgreicher Kündigung können sie zu einem anderen Stromanbieter wechseln. Ein direkter Wechsel mit Kündigung durch den neuen Anbieter ist in diesem Fall nicht möglich. Ins Kündigungsschreiben gehören folgende Angaben:

  • Anschrift des Stromanbieters / Vertragspartners
  • Kundennummer
  • Zählernummer
  • Datum und Unterschrift

Was tun? - Stromanbieter wechseln oder beim Anbieter bleiben

Verbraucher sollten die schriftliche Ankündigung ihres Stromanbieters in jedem Falle sorgfältig lesen. Anschließend können sie die Preise und Konditionen anderer Angebote prüfen. Die Preisunterschiede bei den Energieversorgern sind mintunter beträchtlich. Entsprechend können Verbraucher mit einem Anbieter- und Tarifwechsel zuweilen einige hundert Euro pro Jahr sparen. Am besten funktioniert der Kostenvergleich mit einem Strom Tarifvergleich.

Stromanbieter wechseln

Wer zu einem anderen Stromanbieter wechselt, profitiert unter Umständen von einem günstigeren Grund- und/oder Arbeitspreis und kann meist zusätzlichen einen Neukundenbonus abstauben. Zahlreiche Versorger gewähren bei Verträgen mit Laufzeit entweder einen Sofortbonus, der schon nach wenigen Wochen ausgezahlt wird, oder einen Treuebonus nach Ablauf eines Jahres. Deshalb: Die Gesamtkosten pro Jahr inklusive etwaiger Bonuszahlungen vergleichen.

Beim aktuellen Stromanbieter bleiben

Ist durch einen Stromanbieter Wechsel keine (nennenswerte) Ersparnis möglich, dann können Stromkunden natürlich trotz Preiserhöhung beim aktuellen Tarif bleiben. Oder sie wechseln bei ihrem Energieversorger in einen anderen, günstigeren Stromtarif. Insbesondere Haushalte, welche bislang die Grundversorgung nutzten, können hier deutlich sparen.

Abschlagszahlung anpassen

Wer trotz Strompreiserhöhung 2022 beim laufenden Vertrag bleibt, sollte über eine Anpassung der monatlichen Abschlagszahlung nachdenken. Denn bleibt die Abschlagszahlung gleich, reicht die monatliche Vorauszahlung unter Umständen nicht für die Deckung der Stromkosten aus und Kunden müssen am Ende der Abrechnungsperiode mit einer Nachzahlung rechnen. Deshalb der Tipp: Besser die Abschlagszahlung ein wenig nach oben setzen, um eine saftige Nachzahlung zu vermeiden. Das funktioniert zum Beispiel über das Kundenportal, die Kundenapp oder telefonisch über die Kundenhotline des Stromanbieters.

Stromtarife mit Preisgarantie

Haushalte, die einen Stromvertrag mit Preisgarantie besitzen, werden von der Strompreiserhöhung noch verschont. In solchen Tarifen sind die Preise meist für 12 Monate oder sogar 24 Monate festgeschrieben, die Preiserhöhung dürfte Kunden dann aber im Laufe des Jahres 2022, spätestens aber 2023 treffen. Verbraucher sollten in diesem Falle die Dauer der Preisgarantie und etwaige Details prüfen.

Fragen und Antworten zur Strompreiserhöhung

Wann erhöhen die Stromanbieter ihre Preise?

Das hängt vom Stromanbieter und vom Vertrag ab. Viele Stromanbieter erhöhen ihre Preise zum 1. Januar 2022. Andere haben die Strompreiserhöhung bereits im Verlauf von 2021 vorgezogen. Wiederum andere dürften die Strompreiserhöhung bis Mitte / Ende 2022 nachziehen. Insgesamt ist im gesamten Markt eine Anhebung zu beobachten.

Steht mir bei einer Strompreiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht zu?

Ja, Verbraucher können ihren Stromvertrag dann außerordentlich zum Datum der geplanten Preiserhöhung kündigen. Eine sonst geltende Restlaufzeit wird damit hinfällig. Die Sonderkündigung müssen Verbraucher zudem selbst beim aktuellen Anbieter einreichen.

Welche Informationen zur Strompreiserhöhung liefert mein Anbieter?

Der Stromanbieter informiert schriftliche über die geplante Preiserhöhung. Im Schreiben muss er über die Höhe des Preisanstiegs (bei Grund- und Arbeitspreis) und und den Zeitpunkt Auskunft geben. Auch eine Begründung, warum die Preise steigen, muss enthalten sein.