XG-Fast: Telekom und Nokia jagen 11 GBit/s durchs Kupferkabel

DSLWEB News | , 13:53 Uhr | Ingo Hassa

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Modernes Highspeed-Internet basiert auf blitzschnellen Glasfaserverbindungen, leider werden diese fast immer durch das alte Telefon-Kupferkabel ausgebremst. Gemeinsam mit Nokia hat die Telekom nun Gigabit-Datenraten über Kupfer realisiert - wenn auch nur in einem Laborversuch und auf kurze Distanz.

Die Fortschrittsbremse Kupferkabel
Moderne Glasfaserleitungen bilden zwar die Grundlage für die heutige Internet-Infrastruktur, auf der "Letzten Meile" vor den Häusern müssen die Daten in der Regel aber immer noch über Kupferkabel - eine Altlast des klassischen Telefonnetzes. Um trotzdem möglichst schnell höhere Internetgeschwindigkeiten bereitstellen zu können, setzt die Telekom beim Breitbandausbau stark auf Technologien wie das VDSL Vectoring, bei dem der alte Klingeldraht nicht ersetzt wird, sondern die Übertragung auf dem Kupferkabel so weit wie möglich optimiert wird.

Durch das Vectoring kann die bisherige maximale VDSL Geschwindigkeit aktuell auf 100 Mbit/s verdoppelt werden. Konkurrierende Techniken wie Kabel Internet oder Glasfaser-Direktverbindungen bieten hier wesentlich mehr, weshalb man sich über den Ansatz durchaus streiten kann - was in der Branche auch ausgiebig praktiziert wird (siehe z.B. Gigabit-Gesellschaft: Branchenverbände fordern Neustart der Breitbandpolitik).

Gigabit-Kupferverbindung im Testlabor
Die Telekom ist also sehr interessiert daran, zu sehen, was aus dem Kupferkabel alles herauszuholen ist. In Kooperation mit Nokia experimentiert die Telekom daher auch mit der "GX-Fast" Technologie. Im Rahmen eines Testlaufs in ihrer Kabelversuchsanlage hat die Telekom dabei nun Datenübertragungsraten von mehr als 10 GBit/s erreicht.

Bei solchen beeindruckenden Werten muss allerdings ganz schnell gesagt werden: Der Highspeed-Test beschränkte sich auf eine gerade einmal 50 Meter lange hochwertige Doppelader. Wer sich von XG-Fast Gigabit-Internet über den Gammeldraht unterm Bürgersteig erhofft hat, wird also enttäuscht - der geplante Einsatzzweck ist ein anderer.

Konkret bietet sich XG-Fast als Inhouse-Lösung an, wenn die Glasfaser zwar bis zum Gebäude reicht, die vorhandene Verkabelung im Gebäude aber aus den klassischen Telefonleitungen besteht. In diesem Fall sollen sich ohne teure und aufwendige Bauarbeiten "glasfaserähnliche" Geschwindigkeiten realisieren lassen. Aktuell befindet sich XG-Fast allerdings noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase.

Kupfer gehört noch nicht zum alten Eisen
Für Bruno Jacobfeuerborn, den Technik-Chef der Deutschen Telekom, hat der erfolgreiche XG-Fast-Testlauf aber noch weitreichendere Implikationen. Er hält die aktuelle Glasfaser-Debatte für "viel zu dogmatisch, absolut und abgehoben". XG-Fast dagegen zeige, dass "die Entwicklung immer weiter geht". Während die Telekom direkte Glasfaser-Anbindungen bisher eher punktuell in Neubaugebieten umsetzt, sei das flächendecke Vectoring keineswegs eine technologische Sackgasse.

Nach Abschluss der aktuellen Ausbauphase in 2018 steht so etwa bereits die Einführung des sogenannten "Super-Vectorings" an, das Geschwindigkeiten von mehr als 250 Mbit/s möglich machen soll. XG-Fast stelle ein weiteres Beispiel dar, wie sich das bestehende Kupfernetz in eine Glasfaser-Infrastruktur integrieren lasse.



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