VoIP oder Kündigung: Telekom stellt Netz um

DSLWEB News | , 13:44 Uhr | Ingo Hassa

"Bitte jetzt handeln – sonst müssen wir Ihren Anschluss leider bald kündigen" - Einigen Festnetz-Kunden der Deutschen Telekom flatterte in den letzten Tagen ein Schreiben mit dieser alarmierenden Überschrift ins Haus. Hintergrund für den Aufruf ist die geplante Komplettumstellung des Telekom-Netzes auf die All-IP Technik. Dem herkömmlichen Telefonanschluss soll es dazu an den Kragen gehen, denn auch Telefongespräche werden künftig generell per Voice-over-IP (VoIP) über die Internetleitung abgewickelt.

Affront aus dem Nichts oder doch alles halb so wild?
Tatsächlich droht den angeschriebenen Kunden die Kündigung seitens des DSL Anbieters. Der will nämlich endlich mit seinen Plänen ernst machen, auch die letzten analogen Anschlüsse abzuschalten - wer nun nicht in die Umstellung einwilligt, wird vertragsgerecht gekündigt. 

Die Ankündigung der Telekom rief auch die Verbraucherzentrale Sachsen auf den Plan, die das Anschreiben in einer Mitteilung vom Dienstag thematisierte. Die Telekom wiederum beeilte sich, ihr Vorhaben nochmals zu rechtfertigen und Empörung vorzubeugen. Durch die umfassende Technikumstellung könnten die bestehenden Verträge so schlicht nicht weitergeführt werden, für den nötigen Vertragswechsel sei jedoch das Einverständnis des Kunden erforderlich. Die Telekom wolle Kunden also keinesfalls Angst machen, sondern einfach zum Handeln auffordern. Kehrseite der Medaille: Wer sich in den nächsten vier Wochen nicht beim DSL Anbieter meldet, wird unweigerlich gekündigt, wobei die Telekom bis zum Stichtag nochmals postalisch und telefonisch Kontakt mit den betroffenen Kunden aufnehmen will.

Benachteiligt werden die nun angeschriebenen Kunden laut der Telekom nicht, die neuen Verträge könnten nach Wunsch einfach mit den bisherigen Konditionen aufgesetzt werden. Mehrkosten entstünden also grundsätzlich nicht, durch den Wechsel auf aktuellere Vertragsvarianten könne im Gegenteil sogar häufig Geld gespart werden. Kurios ist allerdings, dass die Telekom auf Nachfrage des Kölner Stadt-Anzeigers selbst eingeräumt hat, dass Hotline-Mitarbeiter oft versuchen würden, Interessenten für Zusatzleistungen zu gewinnen. Gleichzeitig stellt sie aber auch klar, dass irgendwie geartete Upgrades auf keinen Fall verpflichtend seien. 

Ambitionierte Telekom-Ziele für 2016 und 2018
Das Anschreiben haben nach Aussage der Telekom zunächst nur Kunden in jenen 54 deutschen Städten erhalten, in denen zuerst die aktuelle VDSL Technik eingeführt worden ist. Hier soll die vollständige Netz-Umstellung nämlich bereits bis 2016 durchgezogen werden. Nicht viel später, nämlich 2018 soll das Telekom-Netz dann deutschlandweit im All-IP Betrieb laufen.

Angeschrieben wurden übrigens auch nur solche Telekom-Nutzer, die neben dem analogen oder ISDN-Telefonanschluss auch einen Internetzugang beziehen. Dennoch geht der technische Switch auch am reinen Telefon-Kunden nicht vorbei - hier sei allerdings eine Umstellung quasi "im Hintergrund" möglich, ohne dass ein Router zuhause eingerichtet werden oder ein neuer Vertrag abgeschlossen werden müsste.

Telekom hat sich Misstrauen in den letzten Monaten erarbeitet
Also letztendlich viel Lärm um nichts? Nicht ganz, denn neben vielen Vorteilen hat die All-IP Technik auch Nachteile für den Nutzer. Im Gegensatz zum klassischen Telefonanschluss sind die modernen VoIP-Anschlüsse auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen. Bei Netzstörungen oder Stromausfällen sind daher keine Telefongespräche möglich. In letzter Zeit hatte die Telekom gerade in diesem Punkt immer wieder einmal mit Problemen zu kämpfen, gebietsweise war die IP-Telefonie sogar für mehrere Tage am Stück gestört. Die Telekom begründet diese Ausfälle mit zeitweisen Kommunikationsproblemen zwischen Routern und dem IP-Netz, inzwischen will das Unternehmen diese "Kinderkrankheiten" jedoch weitgehend behoben haben.



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