Vectoring-Streit: EWE macht sich für Zerschlagung der Telekom stark

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Verteilerkasten am Straßenrand

Die Deutsche Telekom möchte Vectoring auch im Nahbereich der Hauptverteiler umsetzen - und zwar exklusiv. Das sorgt für Empörung bei der Konkurrenz: In einer offiziellen Stellungnahme fordert EWE Tel darauf sogar die Abspaltung des Netzbetriebs vom Rest der Telekom.

Der Ende Februar bei der Bundesnetzagentur eingereichte Antrag der Deutschen Telekom hat es in sich: Darin möchte sich die Deutsche Telekom dazu verpflichten, das Vectoring Verfahren zur Erhöhung des VDSL Datendurchsatzes auf bis zu 100 Mbit/s auch in den Nahbereichen um ihre Hauptverteiler herum umzusetzen. Das würde aber gleichzeitig bedeuten, dass diese zusätzlichen 5,9 Millionen Vectoring-Haushalte exklusiv von der Telekom versorgt werden müssten - und die Mitbewerber hier nur noch angemietete Telekom-Verbindungen vertreiben könnten. Bestehende Netzinfrastruktur der Konkurrenz müsste darüber hinaus teils sogar zurückgebaut werden.

Streit war da natürlich vorprogrammiert. So konnte es auch kaum überraschend, dass Wettbewerber und Branchenverbände in dem Vorhaben der Telekom einen Versuch der Re-Monopolisierung des Breitbandmarktes sahen und ihr vorwarfen, den Infrastrukturwettbewerb untergraben zu wollen.

Funktionale Trennung von Netzbetrieb und Vermarktung soll Wettbewerb sichern
In einer 30-seitigen Stellungnahme hat EWE nicht nur das Vorhaben der Telekom aufs Schärfste kritisiert, sondern holt darüber hinaus zum Gegenschlag aus. Für die Sicherung des fairen Wettbewerbs sei es eigentlich erforderlich, den Netzbetrieb vom Rest der Telekom abzukoppelen. Nach einer solchen "funktionalen Trennung" müsste die Telekom Leitungen dann quasi bei sich selbst einkaufen - und zwar unter den gleichen Bedingungen wie die Konkurrenz.

Nur so könne laut EWE letztendlich sichergestellt werden, "dass internen wie dritten Zugangsinteressenten DIenstleistungen und Informationen zu denselben Bedinungen, einschließlich der Dienstqualität und Preis, innerhalb derselben Fristen, unter Verwendung derselben Systeme und Prozesse und mit derselben Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit bereitgestellt werden."

Präzedenzfälle vorhanden, aber noch keine breite Unterstützung
Rechtlich sei eine Aufspaltung auf jeden Fall zulässig und keineswegs ein Novum. Als Beispiel führt EWE Tel hier die im Jahr 2006 erfolgte funktionale Ausgliederung des Netzgeschäfts der British Telecommunications.

Ob diese Idee jedoch breite Unterstützung findet, muss sich noch zeigen. So gab sich beispielsweise der Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM, Jürgen Grützner, gegenüber dem Handelsblatt diesbezüglich eher zurückhaltend. Für seinen Verband würde eine solche Trennung eine "echte Notlösung" darstellen, "wenn die bestehende Regulierung den Wettbewerb nicht mehr ausreichend absichert" - was derzeit aber noch nicht der Fall sei.



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