Vectoring-Streit: Bundesnetzagentur hat Entscheidung gefällt

DSLWEB News vom

Dienstgebäude Bundesnetzagentur

Die Telekom will die Nahbereiche um sämtliche Hauptverteiler exklusiv mit VDSL Vectoring erschließen, der Rest der Branche läuft dagegen Sturm. Jetzt hat die Bundesnetzagentur entschieden - offenbar zugunsten der Telekom.

Erstes Statement zur Entscheidung: Vage aber deutlich genug
Über ein Jahr ist es her, dass die Deutsche Telekom ihren Regulierungsantrag zum Nahbereichs-Vectoring bei der Bundesnetzagentur eingereicht hat, der zu einer heftigen Kontroverse innerhalb der Branche geführt hat (siehe auch Vectoring Ausbaupläne der Telekom verärgern Konkurrenten). Wie die Behörde heute in einer Pressemitteilung bekanntgegeben hat, ist nun die finale Entscheidung gefallen und der Regulierungsentwurf auf dem Weg nach Brüssel.

Auf die genauen Inhalte des Entwurfs geht die BNetzA in ihrer heutigen Mitteilung zwar nicht ein, wie sehr deutlich anklingt, dürften jedoch keine allzu großen Abweichungen zum kontroversen ersten Entwurf zu erwarten sein (siehe auch Vectoring-Streit: Telekom erhält Zuschlag von der Bundesnetzagentur). Das vollständige Papier will die BNetzA "demnächst" auf ihrer Internetseite veröffentlichen.

Klar ist: Die Deutsche Telekom hat sich durchgesetzt
Grundsätzlich, soweit ist bekannt, soll die Telekom grünes Licht für ihr Vectoring-Vorhaben erhalten. Im Vergleich zum ersten Entscheidungsvorschlag sollen jedoch mehr Nahbereiche an die Konkurrenten gehen, für die bislang sehr hohe Hürden vorgesehen waren. Ob allerdings die im Konsultationsprozess bereits von regionalen Telekom-Konkurrenten eingereichten Ausbauzusagen berücksichtigt werden, muss sich noch zeigen (siehe etwa EWE will Telekom mit neuer Ausbauzusage ausbooten).

Darüber hinaus hebt die BNetzA hervor, dass Mitbewerber Vectoring auch dann selbst in die Nahbereiche bringen können, wenn die Telekom das jeweilige Gebiet bereits mit FTTH Glasfaseranschlüssen versorgt hat. Ob diese aber wiederum überhaupt Interesse an einer solchen Überbauung haben, das sei dahingestellt.

Es bleibt also dabei: Mit wenigen Ausnahmen wird die Telekom die Kontrolle über die Hauptverteiler bekommen, mit der Auflage, diese bis Ende 2018 mit Vectoring zu erschließen. Dem erklärten Ziel der Bundesregierung, bis dahin für eine flächendeckende Versorgung mit mindestens 50 Mbit/s zu sorgen, kommt diese Verpflichtung natürlich sehr entgegen.

Wie der überarbeitet Vorschlag der Telekom aus dem Februar bereits vorsieht, soll das Ausbauversprechen durch einen "spürbaren Sanktionsmechanismus" abgesichert werden. Die BNetzA selbst will die Ausbaufortschritte mit einem "strengen Monitoring" überwachen. Auch hier scheint die Behörde also weitgehend den Telekom-Vorschlag abgenickt zu haben, die finalen Sanktionen sollen aber ausreichendes Druckmittel sein.

BNetzA-Präsident schickt Wettbewerber auf die stille Treppe
Dass die Telekom-Konkurrenten die heutige Bekanntgabe kaum bejubeln dürften, ist der Bundesnetzagentur klar. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, betont deshalb, dass durch die angepeilte Regulierung "weder der Wettbewerb außer Kraft gesetzt" noch "andere Technologien ausgebremst" würden. Für Anbieter, die von Hauptverteilern verdrängt werden, sei zudem ein angemessenes Vorleistungsprodukt als Alternative vorgesehen.

Den zu erwarteten Reaktionen versucht Homann jedenfalls schon einmal zuvorzukommen: "Ich rate, unseren Entwurf in Gänze zu betrachten und die kontroverse und interessengeleitete Diskussion der letzten Monate über das Thema Vectoring jetzt wieder zu versachlichen."

Der fertige Regulierungsentwurf liegt nun zunächst der Europäischen Kommission, den Regulierungsbehörden der übrigen Mitgliedstaaten sowie dem Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK) vor. Diese haben nun einen Monat Zeit für Stellungnahmen zu dem Entwurf. Falls die EU-Kommission keine ernsten Bedenken äußert, kann die Regulierung anschließend wie vorgesehen in Kraft treten.



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