Telekom: VDSL Vectoring vor dem Start, ISDN vor dem Aus

DSLWEB News | , 18:15 Uhr |

Im Rahmen einer Presseveranstaltung am heutigen Montag hat die Deutsche Telekom ihr Strategieprogramm "TD18" vorgestellt. Das Kürzel steht für "Telekom Deutschland 2018" - und bis dahin hat der Konzern offenbar eine ganze Menge vor. Im Festnetzbereich stehen so weiterhin die vollständige Umstellung des Telekom-Netzes auf die All-IP Technik sowie der Ausbau der eigenen Glasfaser-Infrastruktur auf dem Plan. Ein Opfer der Frischzellenkur wird der ISDN-Standard, für den bis 2018 endgültig der Vorhang fallen soll.

Startschuss für VDSL Vectoring im September
Die herkömmlichen VDSL Anschlüsse hinken den Highspeed-Anschlüssen der Kabelnetzbetreiber in Sachen Geschwindigkeit derzeit deutlich hinterher: Wo bei VDSL mit 50 Mbit/s bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist, kann die Kabel-Konkurrenz inzwischen großflächig mit Downloadraten von 150 Mbit/s auftrumpfen. Abhilfe soll hier das neue VDSL Vectoring Verfahren bringen, das sich schon länger in Vorbereitung befindet. Auf Basis der bisherigen VDSL Anschlusstechnik soll es die maximal mögliche Geschwindigkeit auf 100 Mbit/s verdoppeln.

Nun hat die Telekom endlich einen Starttermin für den Praxis-Einsatz des VDSL Vectorings genannt - im September 2014 soll es losgehen. Leider werden nicht alle VDSL Kunden von Beginn an von der VDSL Beschleunigung profitieren. Da für die Vectoring-Umsetzung Hardware in den Kabelverzweigern ausgetauscht werden muss, soll VDSL Vectoring erst einmal nach und nach in den neuen Ausbaugebieten eingesetzt werden, VDSL Bestandskunden werden sich zunächst gedulden müssen.

Netzausbau: 80 Prozent Highspeed-Abdeckung bis 2018
In den kommenden Jahren will die Telekom den Ausbau ihrer Glasfaser-Infrastruktur aber mit großem Aufwand vorantreiben. Bis 2018 sollen so 80 Prozent der deutschen Haushalte eine der glasfaserbasierten Anschlusstechniken nutzen können.

Das VDSL Vectoring, bei dem noch die kupferbasierte "Letzte Meile" vom Verteiler bis zum Kunden zum Einsatz kommt, zählt hier zwar dazu, ist aber natürlich nur ein Teilschritt. Nach und nach soll das Glasfaser zunehmend an den Hausanschluss bzw. die Haushalte selbst heranrücken. Die großflächige Inbetriebnahme solcher FTTH Anschlüsse liegt allerdings noch in weiter Ferne. Auch der Telekom-CTO Bruno Jakobfeuerborn räumt ein, dass er dies in seiner Amtszeit "nicht mehr erleben" werde.

Total Digital: All-IP Netz wird Wirklichkeit
Ein weiteres Ziel der Deutschen Telekom für 2018 ist die vollständige Umstellung ihres Fest- und Mobilfunknetzes auf den All-IP Standard. Die vollständige Digitalisierung, verspricht die Telekom, soll enorme Vorteile bringen. So soll das Netz künftig in der Lage sein, Verbindungsstörungen automatisch zu erkennen und selbst zu beheben. Darüber hinaus sollen sich einzelne Optionen und Dienste nach Bedarf im Handumdrehen aktivieren und deaktivieren lassen, außerdem würden die Angebote dadurch zunehmend mobiler. Für Kunden von Telekom Entertain etwa sei es dann sogar möglich, den TV-Service zur Urlaubszeit zuhause zu deaktivieren und in der Ferienwohnung aufschalten zu lassen.

Der klassische analoge Telefonanschluss ist damit endgültig eine Sache der Vergangenheit. Einzig "Single Play" Kunden, die nur einen Telefonanschluss beziehen, könnten dann noch eine analoge Leitung erhalten, deren Signal in der Vermittlungsstelle ins All-IP Netz überführt wird - auf Kundenseite tut so zur Not aber auch das alte Wählscheiben-Telefon weiter seinen Dienst.

Aus für ISDN: Bis 2018 ganz Gallien von den Römern besetzt
Auch der echte ISDN-Anschluss steht durch die kommende Umstellung endgültig auf der Abschussliste. Der Standard aus den Neunziger Jahren sei schon lange zunehmend störungsanfälliger und wartungsintensiver, zudem ließen sich laut Telekom teilweise kaum noch Ersatzteile für die in Deutschland verwendete Technik auftreiben. 

Dem "gallischen Dorf der ISDN-Freunde, die sich bislang erfolgreich der Umstellung auf All-IP widersetzen konnten" (Telekom-Chef Niek Jan van Damme) steht in absehbarer Zeit also das Aus bevor. Dass sich der DSL Anbieter mit dieser Anspielung auf die Asterix-Geschichten selbst in die Rolle der römischen Comic-Bösewichter rückt, macht die Formulierung zugleich unglücklich und möglicherweise prophetisch. Denn auf eine gehörige Portion Unmut seitens der ISDN-Freunde wird sich die Telekom wohl schon einmal gefasst machen müssen. 



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