Telekom Deutschland-Chef: Flächendeckende Glasfaser ist unbezahlbar

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Telekom Deutschland-Chef Niek Jan van Damme

In einem Interview mit der Welt am Sonntag hat Niek Jan van Damme, der Deutschland-Chef der Telekom, dem flächendeckenden FTTH Glasfaserausbau erneut eine Absage erteilt. Finanziell könne sich dieser nämlich niemals lohnen - die Telekom beziffert die potentiellen Kosten mit 80 Mrd. Euro.

Ein flächendeckendes Glasfasernetz, dessen blitzschnelle Lichtleiter bis in jeden Haushalt reichen - das ist derzeit wohl die Idealvorstellung der immer wieder heraufbeschworenen "Gigabit-Gesellschaft". Der Marktführer Deutsche Telekom erteilt solchen hochgegriffenen Zielvorgaben allerdings eine deutliche Absage.

Das Kupferkabel hat noch lange nicht ausgedient
Wie der Deutschland-Chef des Konzerns, Niek Jan van Damme, nun noch einmal gegenüber der Welt bekräftigt hat, sei der flächendeckende Glasfaser-Ausbau schlichtweg viel zu teuer - "Die 80 Milliarden Euro, die ein flächendeckender Glasfaserausbau kostet, hat niemand". Es sei jedoch auch gar nicht nötig, "ganz Deutschland" aufzubuddeln, denn in Kombination mit dem modernen Glasfasernetz sei auch das alte Kupferkabel vor den Häusern noch keineswegs ausgereizt.

Im Rahmen der Breitband-Strategie der Bundesregierung soll bis Ende 2018 überall in der Republik ein Breitbandzugang mit mindestens 50 Mbit/s verfügbar sein. Der Breitband-Ausbau muss sich also nicht nur rechnen, sondern auch schnell gehen. Die Telekom setzt daher weiter vor allem auf die Vectoring Technologie, bei der auf der letzten Wegstrecke zwar weiter auf die kupferbasierte Telefonleitung zurückgegriffen wird, die Übertragung auf dem Kupfer aber durch technische Kniffe zusätzlich optimiert wird.

"Re-Monopolisierung ist natürlich Blödsinn"
Das Telekom Vectoring ist in der Branche allerdings keineswegs unumstritten. Um das VDSL Vectoring für Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s umzusetzen, muss nämlich ein einziger Betreiber die technische Kontrolle über den jeweiligen Verteiler übernehmen - und in den Nahbereichen rund um die rund 8.000 Hauptverteiler in Deutschland will sich die Telekom dieses Exklusiv-Recht sogar komplett sichern.

Den deshalb oft geäußerten Vorwurf der schleichenden "Re-Monopolisierung" durch die Deutsche Telekom weist van Damme im Interview allerdings als "Blödsinn" zurück, schließlich gehe es im aktuellen Streit um die Nahbereichs-Erschließung gerade einmal um rund 15 Prozent aller Anschlüsse, wobei den Wettbewerbern ohnehin das Recht eingeräumt wird, Anschlüsse zu marktgerechten Preisen anzumieten.

Individueller Ausbau für zahlungskräftige Kunden
Überhaupt sei der tatsächliche Bedarf nach Glasfaser-Spitzengeschwindigkeiten ohnehin noch nicht allzu hoch. Trotzdem lotet die Telekom aktuell Möglichkeiten aus, wie alle Kunden auf Anfrage direkt an die Glasfaser angebunden werden können. Das würde dann aber auf Kosten des individuellen Kunden gehen - was, wie der Telekom-Vorstand einräumt, "teuer für ihn" werden kann.

Update: Inzwischen hat die Telekom ein Programm für den individuellen Glasfaser-Ausbau aufgelegt - mehr dazu im Newsbericht Mehr Breitband für mich: Telekom Glasfaser für zahlungskräftige Privatkunden



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