Telekom-Chef über Sinn und Unsinn der Regulierung

DSLWEB News | , 17:45 Uhr | Ingo Hassa

Timotheus Höttges hat dem Wall Street Journal sein erstes Interview als Vorstandschef der Deutschen Telekom gegeben. Ein zentrales Thema im Gespräch mit den Journalisten war die staatliche Regulierung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt. Hier sieht sich die Telekom gegenüber den Kabel Internet Anbietern und anderen Größen aus der TK-Branche nämlich unfair benachteiligt. Seine Stoßrichtung: Weniger Regulierung und dabei gleiches Recht für alle.

Regulierung bitte nur bei echter Monopolstellung
Grundsätzlich, so Höttges, sei Regulierung durchaus sinnvoll. Dies gelte aber nur für Bereiche, in denen es tatsächlich keinen echten Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern gebe, als etwa in ländlichen Regionen. In den großen Städten, in denen mehrere Netz-Infrastrukturen nebeneinander existieren, ergebe die bisherige staatliche Regulierung für ihn aber schlicht "keinen Sinn".

So sei es auch kaum zu akzeptieren, dass gerade die Telekom von den Regulierungsvorgaben betroffen ist - obwohl sie gerade in einigen Städten längst nur noch der zweit- oder drittgrößte Anbieter vor Ort sei. Die Kabelunternehmen hingegen, die aktuell den Löwenanteil der Breitband-Neukunden einheimsen, würden wiederum gar nicht reguliert - ein Unding für den Telekom-Chef.

Gesetzliche Bestimmungen benachteiligen Netzbetreiber
Die Kabel Internet Provider seien aber nicht die einzigen Unternehmen, die unangemessen bevorteilt würden. Aus Sicht von Höttges dürfte zum Beispiel der populäre Nachrichtendienst WhatsApp als Telekommunikationsdienst ebenfalls nicht von der Regulierung ausgenommen sein. Als Vergleichspunkt zieht er unter anderem die aufwendige verzögerungsfreie Nummernportierung heran, zu der die klassischen Telekom-Anbieter gesetzlich verpflichtet sind. Solcherlei Auflagen hätten die reinen Dienstleister dagegen nicht zu erfüllen. Kurz zusammengefasst: "Probieren sie mit Skype zu Viber zu telefonieren, das funktioniert nicht." Deshalb bestehe auf dem Markt einfach "keine Waffengleichheit" - entweder müssten alle Wettbewerber reguliert werden oder keiner.

Bei dieser Wahl ist es klar, welche Richtung die Telekom bevorzugen würde. Zwar sei Höttges nach wie vor für Regulierung, wo monopolartige Strukturen herrschten, überall da, wo die Telekom Wettbewerb habe, solle sie jedoch daraus entlassen werden. Ziel seien also nicht härtere Auflagen für die Konkurrenz, sondern vielmehr Deregulierung auf breiter Front.



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