Regierung will Telekom den Zuschlag für VDSL Vectoring im Nahbereich geben

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Beim Breitband-Ausbau setzt die Telekom aktuell vor allem auf das VDSL Vectoring

Nach Handelsblatt-Informationen hegt die Bundesnetzagentur noch große Bedenken gegen den von der Telekom beantragten exklusiven Vectoring-Ausbau im Nahbereich. Seitens der Politik aber soll Druck auf die Behörde aufgebaut werden, das umstrittene Vorhaben zu genehmigen.

Vectoring macht der VDSL Verbindung Beine
Auch bei den modernen VDSL Anschlüssen wird immer noch auf die klassische "Letzte Meile" zurückgegriffen, also auf das alte Kupferkabel zwischen den einzelnen Haushalten und dem nächsten Verteilerkasten - die Verbindung wird so auf den letzten Metern nochmal gehörig ausgebremst. Eine Möglichkeit, möglichst viel aus der Leitung herauszuholen ist das sogenannte VDSL Vectoring, bei dem Störsignale auf der Kupferleitung durch ein gegenläufiges Signal neutralisiert werden. Die maximale VDSL Geschwindigkeit kann so von 50 Mbit/s auf 100 Mbit/s verdoppelt werden.

Aus technischen Gründen muss für die Umsetzung des Vectoring-Verfahrens allerdings ein einzelner Anbieter die Kontrolle über den Verteilkasten übernehmen - ein Technologiemix ist nicht möglich und die Mitbewerber müssen die Leitungen vom jeweiligen Betreiber anmieten. Die Umsetzung des Vectorings erforderte deshalb komplexe Regulierungsvorgaben. So müssen entsprechende Ausbauvorhaben beispielsweise über die von der Telekom geführte und von der Bundesnetzagentur kontrollierte Vectoring-Liste angemeldet werden.

Telekom will Vectoring in die Nahbereiche der Hauptverteiler bringen - und zwar alleine
Der Vectoring-Ausbau läuft, im direkten Umkreis der Hauptverteiler konnte das Verfahren aus technischen Gründen bislang allerdings nicht eingesetzt werden. Das soll sich jetzt ändern, was die Telekom zu einem umstrittenen Vorstoß genutzt hat - sie will die alleinige Kontrolle über fast 8.000 Hauptverteiler übernehmen und dafür den raschen Ausbau garantieren.

Schema VDSL Vectoring

Die Konkurrenz sah darin nichts anderes als einen dreisten Versuch der Re-Monopolisierung und fürchtete eine Entwertung ihrer eigenen Investitionen an den betreffenden Standorten. Die Deutsche Telekom jedoch hielt an ihrem Vorschlag fest und reichte im Februar einen entsprechenden Regulierungsantrag bei der Bundesnetzagentur ein. Diese versprach zwar eine rasche Prüfung, eine konkrete Stellungnahme oder gar Entscheidung steht bislang allerdings aus.

Bundesnetzagentur hegt Zweifel, aber Politik macht Druck
Laut Handelsblatt soll die Bundesnetzagentur massive rechtliche Bedenken hegen und hat daher ein Gutachten bei ihrem wissenschaftlichen Beirat in Auftrag gegeben. Gleichzeitig sollen das Kanzleramt, das Bundeswirtschaftsministerium sowie das Verkehrsministerium auf den Abschluss eines Verwaltungsvertrags zwischen der Bundesregierung und der Telekom drängen, in dem sich die Telekom im Gegenzug für die angestrebte Vectoring-Hoheit dazu verpflichtet, 80 Prozent der Haushalte in den Nahbereichen mit Vectoring zu versorgen. Dazu soll von Regierungsseite auch hoher politischer Druck auf die Bundesnetzagentur ausgeübt worden sein.

In einem gemeinsamen Schreiben haben sich die Branchenverbände Breko, Buglas und VATM bereits direkt beim Verkehrsministerium beschwert. Die Telekom hintertreibe demnach aktiv das innerhalb der Netzallianz vereinbarte Ziel des gemeinsamen Breitbandausbaus. Das wiederum betrifft aus Sicht der Branchenvertreter keineswegs allein die laufende Regulierungsanfrage, vielmehr versuche der Marktführer immer wieder durch verschiedene, aufeinander abgestimmte Maßnahmen, den freien Wettbewerb auszuhebeln. Sehr konkret hat auch EWE Tel im Handelsblatt reagiert: Sollte der Antrag der Telekom genehmigt werden, will das Unternehmen Klage einreichen.

Die Telekom hat die Vorwürfe der Konkurrenz erwartungsgemäß von sich gewiesen - und gleich noch zurückgeschossen. Sie selbst stehe natürlich weiter hinter der Netzallianz, ihre Wettbewerber allerdings kämen den versprochenen Infrastruktur-Investitionen nicht hinterher.



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