Netze statt Dienste: Telekom baut Innovationsabteilung um

DSLWEB News | , 11:18 Uhr | Ingo Hassa

Die Telekom stellt die teure Infrastruktur bereit, während fremde Inhalte-Anbieter und Dienstleister den großen Reibach im Netz machen - diese Sicht der Dinge muss man nicht teilen, dass dies dem Netzbetreiber schon lange ein Dorn im Auge war, verwundert allerdings kaum. Daher mühte sich die Telekom lange, sich ein Stück vom Content-Kuchen zu sichern und das Netz mit eigenen Services mitzugestalten. Nach Informationen des Manager Magazins steht nun ein grundlegender - und wohl schmerzhafter - Strategiewechsel an.

Innovationsabteilung schrumpft, massive Stellenstreichungen stehen an
Die Innovationsabteilung der Deutschen Telekom, die bisher sowohl die Weiterentwicklung der Netztechnik als auch den Aufbau eigener Online-Dienste wie Musicload oder Joyn umfasste, wird komplett neu aufgestellt. In Zukunft wird sich die Abteilung nur noch auf Netztechnik-relevante Eigenentwicklungen konzentrieren, die digitalen Endkunden-Dienste werden dagegen komplett aufgegeben - hier will die Telekom in Zukunft ganz auf externe Partnerschaften setzen.

Dieses Vorhaben wird allerdings tiefgreifende Konsequenzen haben - von den bisher rund 4.000 Stellen innerhalb der Telekom Innovationsabteilung sollen den aktuellen Berichten zufolge rund mehrere Hundert abgebaut werden. Das Manager Magazin beruft sich dabei auf Unternehmenskenner, eine Sprecherin des Unternehmens hat die Umstrukturierungspläne jedoch bereits bestätigt.

Plattform für externe Dienstleister angestrebt
Die Neuausrichtung bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der unter dem früheren Konzernchef Rene Obermann etablierten Konzernstrategie. Die bisherigen Versuche der Telekom, beliebten Diensten wie Spotify oder WhatsApp Eigenentwicklungen entgegenzustellen, waren häufig gescheitert. So wurde beispielsweise die Download-Plattform Softwareload bereits 2012 verkauft, jüngst folgten die anderen Telekom-Ableger Musicload und Gamesload. Die Online-Videothek Videoload wiederum dient vor allem als integrierter Bestandteil des TV-Angebots Telekom Entertain, als eigenständiger Webdienst führt sie angesichts der starken Konkurrenz eher ein Nischendasein.

Zusatz-Dienste werden nach dem Willen des neuen CEO Timotheus Höttges in Zukunft nur noch im Rahmen von Partnerschaften umgesetzt, wobei die Innovationsabteilung für das Partnering zuständig sein soll. Diese Stoßrichtung ist dabei keineswegs neu: Bereits jetzt kooperiert die Telekom unter anderem mit dem Musikstreaming-Dienst Spotify und erst vor kurzem wurde eine Zusammenarbeit mit dem gerade in Deutschland gestarteten Video on Demand Dienst Netflix angekündigt, die das eigene Telekom Entertain Angebot weiter stärken soll.



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