Gesetze & Verordnungen

Glasfaser 2026: Das dicke Aufgabenheft der deutschen Politik

DSLWEB News | , 10:43 Uhr | Ingo Hassa | geprüft von Thomas Rauh

Der Netzausbau muss weiter beschleunigt werden, das Absatzproblem der Glasfaseranbieter will gelöst werden und dann wirft auch noch die DSL Abschaltung ihre Schatten voraus. Getrieben von EU-Vorgaben hat die Bundesregierung noch jede Menge abzuarbeiten - unser Überblick zu den aktuell wichtigsten Initiativen.

Glasfaser Markt 2026: Politik & Gesetzgebung
Glasfaser 2026: Das dicke Aufgabenheft der deutschen Politik 4.75 / 5 12 (12)

DSLWEB Breitband Report 2026

Die diversen politischen Weichenstellungen sind natürlich auch Thema im aktuellen DSLWEB Breitband Report - unserem ausführlichen Ausblick auf die Markttrends 2026.

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EU macht Druck auf deutsche Politik

Bereits 2024 hat die EU-Kommission den europäischen Gigabit Infrastructure Act (GIA) verabschiedet, seit November 2025 ist die Infrastruktur-Verordnung vollständig in Kraft. Auch die Bundesrepublik stand damit unter Zugzwang, die europäischen Vorgaben in nationales Recht umzusetzen.

Zu den neuen Regelungen gehören beschleunigte Genehmigungsverfahren, Leitlinien zur gemeinsamen Nutzung von Leerrohren und Funkmasten sowie die verpflichtende Glasfaser-Verkabelung von Neubauten. Das übergeordnete Ziel: Die Gigabit-Vollversorgung in ganz Europa bis 2030.

Der wichtige Schritt zur Umsetzung sollte eigentlich noch unter der letzten Bundesregierung erfolgen. Das ursprünglich geplante TK-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz (TK-NABEG) existiert jedoch lediglich als Entwurf, der letztlich nie verabschiedet wurde. Denn das Gesetzesvorhaben ist dem vorzeitigen Aus der Ampel-Koalition zum Opfer gefallen, nach dem Bruch fand sich für das Papier keine Mehrheit mehr im Bundestag.

Damit stand kurz darauf also die neue Große Koalition in der Pflicht - während das Zeitfenster zur Umsetzung der EU-Vorgaben weiter zusammenschrumpfte. Ein möglicher Trumpf: Mit dem Regierungswechsel erhielt der Bund endlich ein dezidiertes Digitalministerium - das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) unter Führung von Karsten Wildberger.

Übersicht: Gesetzesinitiativen zum Glasfaserausbau

  • TK-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz (TK-NABEG)
    Juli 2024, nicht verabschiedet
  • Impulspapier zur regulierten Kupfer-Glas-Migration
    BNetzA, April 2025
  • TKG-Änderungsgesetz 2025
    Juli 2025
  • Eckpunktepapier zur Anpassung des Telekommunikationsgesetzes
    BMDS, Juli 2025
  • Eckpunktepapier für ein Gesamtkonzept zur Kupfer-Glas-Migration
    BMDS, Oktober 2025
  • Gigabit Infrastructure Act (GIA)
    EU-Kommission, Mai 2024 / November 2025
  • Regulierungskonzept zum Wechsel von Kupfer- auf Glasfasernetze
    BNetzA, Januar 2026
  • Digital Networks Act (DNA)
    EU-Kommission, aktueller Entwurf 20. Januar 2026

Das neue Digitalministerium übernimmt

Bereits im Juni konnte das TKG-Änderungsgesetz 2025 verabschiedet werden, in dem sich naturgemäß die wesentlichen Punkte des früheren Gesetzesanlaufs wiederfanden. Die zentrale und wichtigste Anpassung: Dem Netzausbau wird künftig ein "überragendes öffentliches Interesse" eingeräumt. Dadurch werden Genehmigungsverfahren erheblich beschleunigt. Auch naturschutzrechtliche Prüfungen müssen dabei im Zweifelsfall hintenanstehen - dafür waren im früheren TK-NABEG noch Ausnahmeregelungen vorgesehen, die nicht übernommen wurden.

Tatsächlich ließ auch der nächste Vorstoß nicht lange auf sich warten, denn noch im Juli legte das BMDS ein Eckpunktepapier für eine weitere TKG-Novelle 2026 vor. Dabei steht abermals die Beschleunigung des Glasfaserausbaus im Mittelpunkt. Genehmigungsverfahren für bestimmte Ausbauprojekte könnten so durch reine Anzeigepflichten ersetzt werden, zudem sollen sich Netzbetreiber ein Recht auf Vollausbau innerhalb von Mehrfamilienhäusern sichern können.

Vor allem über den letzten Punkt wird innerhalb der Branche aber noch heftig gestritten - Glasfaseranbieter, Kabelanbieter und Vermieterverbände stehen sich hier unvereinbar gegenüber. Nach der ersten Konsultation wird derzeit an einem konkreten Gesetzentwurf gearbeitet, der im Sommer 2026 auf den Weg gebracht werden dürfte.

Regierung macht Werbung für Glasfaser Internet

Was aber nutzt der schnellste Glasfaserausbau, wenn die Nachfrage nach den neuen Highspeed-Anschlüssen nicht gegeben ist? So hinkt die Zahl der tatsächlich angeschlossenen Haushalte den offiziellen Ausbauzahlen (homes passed) noch immer meilenweit hinterher. Deshalb hat sich das BMDS dazu entschlossen, der Branche auch abseits der Gesetzgebung unter die Arme zu greifen.

Im September wurde so die Kampagne "Das beste Internet" gestartet. Unter dem Motto "Gib Dich nicht mit dem Zweitbesten zufrieden" wirbt das Ministerium seitdem für den Wechsel vom alten DSL Anschluss auf den zukunftstüchtigen FTTH Glasfaserzugang. Die Aktion umfasst Online-, Print- und Plakat-Anzeigen sowie ein umfassendes Infoportal zum Thema. Laut Auskunft des BMDS belaufen sich die Gesamtkosten für die durch Scholz & Friends sowie Syzygy betreute Glasfaser-Kampagne auf rund 1,3 Millionen Euro.

BNetzA konkretisiert Pläne zur Kupferabschaltung

Im TKG-Eckpunktepapier des Digitalministeriums spielt auch die kommende DSL Abschaltung eine Rolle. Wie die Migration von Kupfer auf Glasfaser im Detail ablaufen soll, ist dort allerdings noch nicht abschließend geklärt. Hierzu hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Januar 2026 nun einen eigenen Entwurf vorgelegt. Das neue Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration baut auf einem älteren Impulspapier aus dem Oktober auf, sieht nun aber Abweichungen vom bestehenden Rechtsrahmen vor. Sprich: Die Umsetzung der vorgestellten Ideen wird ein Eingreifen des Gesetzgebers erfordern.

Anders als bislang vorgesehen, soll die Kupferabschaltung in einer Ausbau-Region nämlich nicht mehr nur von der Deutschen Telekom angestoßen werden können. Stattdessen soll dies auch anderen Teilnehmern möglich sein, sobald in einer Region eine FTTH Abdeckung von 80% der Haushalte erreicht ist. Der Telekom würde damit also die Möglichkeit genommen werden, die Abschaltung ihres Kupfernetzes unangemessen hinauszuzögern.

Im Gegenzug sollen alle Netzbetreiber dazu verpflichtet werden, Drittanbietern Zugang zu ihrem Glasfasernetz nach einem einheitlichen Open Access Modell zu gewähren. Damit hätte natürlich auch die Telekom wieder überall einen Fuß in der Tür, ohne sich um maßgeschneiderte Vereinbarungen kümmern zu müssen. Wenig Wunder, dass sich die großen Branchenverbände BREKO, VATM und ANGA direkt gegen diesen Teil des Entwurfs ausgesprochen haben.

Auch der Zeitplan für die Kupfermigration nimmt mit dem BNetzA-Konzept weiter Gestalt an. In den einzelnen Regionen ist demnach jeweils eine Vorlaufzeit von drei Jahren vorgesehen. Ein Jahr nach der offiziellen Ankündigung der Abschaltung soll zunächst die DSL Vermarktung vor Ort eingestellt werden. Frühestens 24 Monate nach dem Verkaufsstopp kann dann die tatsächliche Abschaltung erfolgen. Für den bundesweiten Prozess wiederum fordert die BNetzA einen übergeordneten Migrationsplan, der einen Starttermin, ein angestrebtes Enddatum sowie weitere Meilensteine umfassen soll.

Ist der Weg bald frei für einen European Champion?

Nach einigen Verzögerungen hat die EU-Kommission am 21. Januar 2026 den Entwurf für das nächste massive Telekom-Regelwerk vorgestellt - den Digital Networks Act (DNA). Hier taucht auch direkt wieder die Kupferabschaltung auf - denn den von der BNetzA angeregten Migrationsplan will die Europäische Union nun verbindlich von allen Mitgliedstaaten einfordern. Die nationalen Pläne sollen dabei bis 2029 vorliegen, die endgültige Abschaffung der Kupferkabelnetze soll zwischen 2030 und 2035 erfolgen.

In erster Linie geht es bei der Verordnung aber um die Schaffung eines wirksamen europäischen Binnenmarktes. Hierzu sollen beispielsweise Vorschriften zur Vergabe und Nutzung von Mobilfunkfrequenzen harmonisiert, Hürden für die grenzüberschreitende Bereitstellung von Netzen und Diensten abgebaut und die europäische Cyber-Security gestärkt werden. Durch die Verringerung von Verwaltungsauflagen und Berichtspflichten sollen zudem Investitionen angeregt werden.

Eine häufige Forderung findet sich im DNA-Entwurf allerdings nicht direkt wieder. Denn führende europäische Telcos hatten sich im Vorfeld auch für die Erleichterung von Unternehmensfusionen stark gemacht. Nur so könnten endlich "European Champions" entstehen, um ein Gegengewicht zu den globalen Tech-Riesen zu schaffen.

Zu den Unterzeichnern gehörte unter anderem der Telekom-Chef Tim Höttges. Diesem soll schon länger eine Übernahme von Telefónica oder Orange vorschweben - quasi als Vermächtnis und Krönung seiner CEO-Laufbahn.

Diese Chance könnte er bekommen. Denn abseits der Netzwerk-Verordnung wird aktuell an einem weiteren Reformpaket für eine Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit gearbeitet. Dabei steht auch eine Modernisierung des Wettbewerbsrechts sowie der Fusionskontrolle auf der Agenda. Für die Diskussion der Vorhaben wurde ein EU-Sondergipfel am 12. Februar 2026 anberaumt.

Was steht sonst auf dem deutschen Breitbandmarkt 2026 an? Weshalb legt der Marktführer einen Strategiewechsel hin? Rauscht eine Übernahmewelle auf uns zu? Ausführliche Antworten zu diesen und weiteren Fragen liefert der aktuelle DSLWEB Breitband Report 2026

Weitere Details zu der erwarteten Konsolidierung des deutschen Breitbandmarkts liefert der folgende Newsbeitrag: Glasfaser 2026 - Bleiben kleine Netzbetreiber jetzt auf der Strecke?

Ingo Hassa - Redakteur

Ingo Hassa
DSLWEB-Redakteur seit 2008

i.hassa@dslweb.de

DSLWEB Redakteur Ingo Hassa hat seit 2008 die deutsche Telekommunikationsbranche fest im Blick. Seine Analysen bündeln sich in Newsberichten sowie im fortlaufend aktuell gehaltenen DSLWEB Breitbandreport. Durch seine intensive Marktbeobachtung ist er zudem gefragter Experte für den Netzausbau und die Verfügbarkeit der Breitband-Technologien in Deutschland.

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