Gigabit-Gesellschaft: Branchenverbände fordern Neustart der Breitbandpolitik

In einer gemeinsamen Erklärung fordern mehrere große deutsche Telekommunikationsverbände ein Umdenken in der deutschen Breitbandpolitik. Statt die Vectoring-Pläne des Marktführers Telekom zu unterstützen müsse die Regierung dem Glasfaserausbau oberste Priorität einräumen.
Anlässlich des heute in Berlin stattfindenden Symposiums "Der Weg in die Gigabit-Gesellschaft" haben die Telekommunikations-Verbände ANGA, BREKO, BUGLAS und VATM sowie das FTTH Council Europe ein gemeinsames Thesenpapier veröffentlicht. In dem vierseitigen Dokument setzen sie sich für den konsequenten Ausbau von nachhaltigen FTTB und FTTH Glasfaser-Infrastrukturen und den Erhalt bzw. die Schaffung von fairen Wettbewerbsbedingungen durch die Regulierungsbehörden ein.
Dahinter verbirgt sich nicht zuletzt eine scharfe Verurteilung des exklusiven Vectoring-Ausbaus im Nahbereich durch die Deutsche Telekom, in dem die Konkurrenten eine Re-Monopolisierung und die Förderung einer nicht zukunftsfähigen Übergangstechnologie sehen (siehe auch Regierung will Telekom den Zuschlag für VDSL Vectoring im Nahbereich geben).
Gegenwärtige Breitbandstrategie ist zu kurz gedacht
Ausgangspunkt für die weiteren Thesen der Verbände ist die Feststellung, dass die heranwachsende "Gigabit-Gesellschaft" innerhalb der nächsten zehn Jahre flächendeckend auf Internetzugänge mit entsprechenden Bandbreiten angewiesen sein wird. Während im Mobilfunk die kommenden 5G-Netze diese Geschwindigkeiten bereitstellen werden, liegt die Zukunft des Festnetzes zum einen im schnellen Kabel Internet und zum anderen in direkten Glasfaserverbindungen, die bis in die Gebäude (FTTB) oder bis in die einzelnen Haushalte (FTTH) reichen.
Die deutsche Breitbandpolitik müsse daher neu justiert werden, da diese im Moment zu sehr auf das Erreichen der für 2018 gesteckten Breitbandziele ausgerichtet sei. Bis dahin soll laut Bundesregierung die flächendeckende Verfügbarkeit von Internetzugängen mit mindestens 50 Mbit/s gewährleistet sein. Die Breitbandverbände betonen jedoch, dass dies statt als Endziel bestenfalls als Wegmarke angesehen werden dürfe. Ansonsten könnten "notwendige Entwicklungen verschleppt, Investitionen in den Ausbau zukunftssicherer Kommunikationsnetze verhindert, der Wettbewerb verzerrt und Steuergelder ineffizient eingesetzt werden".
Telekom Vectoring und Technologieneutralität müssen auf den Prüfstand
Damit, dass die obige Ausführung letztlich klar auf die Pläne der Deutschen Telekom zielt, halten die Verfasser auch gar nicht hinterm Berg. Während sich die Telekom gerade um das Hoheitsrecht über Tausende von Hauptverteilern bemüht, um VDSL Vectoring im Nahbereich umzusetzen, fordern sie einen gesicherten Zugang zur Letzten Meile für die Mitbewerber ein. Darüber hinaus müsse das Vectoring generell als Brückentechnologie verstanden werden, die dem Ausbau von nachhaltigeren Glasfaser-Netzen nicht im Wege stehen dürfe.
Damit rühren die Verbände übrigens an einem der Eckpunkte der gegenwärtigen Breitbandstrategie, nämlich der Technologieneutralität bei der Ausbauförderung. Soll heißen: Gegenüber anderen Anschlusstechniken muss der Glasfaser-Ausbau bevorzugt gefördert werden. Dabei müsse neben der Erschließung ländlicher Regionen übrigens auch der städtische Glasfaser-Ausbau "zur Anbindung des unterversorgten Mittelstands" förderfähig sein. Gleichzeitig soll aber verhindert werden, dass die Überbauung vorhandener Next Generation-Netze von Fördergeldern profitiert - dieser Netzausbau in bereits von der Konkurrenz erschlossenen Gebieten wird immer wieder der Telekom vorgeworfen.
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