EU Breitbandmarkt: "Praktisch keine Logik oder Kohärenz"

Am heutigen Dienstag wurden gleich vier von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studien veröffentlicht, die sich aus verschiedenen Perspektiven heraus mit dem europäischen Breitbandmarkt auseinandersetzen. Ein gutes Zeugnis stellen diese dabei nicht gerade aus. Neutral ausgedrückt lautet das Fazit "In der EU entscheidet der Wohnort über Qualität und Preis von Breitbandanschlüssen", in der begleitenden Pressemeldung heißt es aber gleichzeitig, es herrsche "praktisch keine Logik oder Kohärenz".
Massive Preisunterschiede innerhalb der EU
Selbst wenn die Kaufkraft der verschiedenen EU-Regionen berücksichtigt wird, ergeben sich im europaweiten Vergleich enorme Unterschiede, was die Preise für Breitband-Internetzugänge angeht. Von Land zu Land klaffen diese sogar um bis zu 400 Prozent auseinander.
Zwischen Frankreich und Spanien beispielsweise ergibt sich eine Preisdifferenz von rund 50 Prozent. Wer von Großbritannien nach Zypern zieht, so ein weiteres Fallbeispiel, muss sich sehr wahrscheinlich nicht nur mit eine niedrigeren DSL Geschwindigkeit zufrieden geben, sondern zahlt obendrein noch zwei- bis viermal soviel für ein vergleichbares Angebot. Ein Extrembeispiel ist der Vergleich zwischen Litauen und Polen - hier kann der Preis nämlich maximal das Vierzehnfache betragen.
Europäer erhalten nur selten die maximale Geschwindigkeit
Dass es sich bei den Geschwindigkeits-Versprechen der DSL Anbieter immer um Maximal-Angaben handelt, sollte bekannt sein - es sind stets "bis zu"-Werte, die in der Praxis aus technischen Gründen nur selten erreicht werden. Grundsätzlich ist das durchaus verständlich, allerdings weichen die realen Geschwindigkeiten dann aber doch recht weit vom Ideal ab. Im europäischen Schnitt stehen dem Nutzer nämlich nur 64 Prozent der Maximalgeschwindigkeit der gebuchten Anschlussvariante zur Verfügung.
Wie nahe die Praxisleistung am Maximum liegt, unterscheidet sich dabei stark von der verwendeten Technik: Beim herkömmlichen DSL Anschluss auf Kupfer-Basis werden durchschnittlich lediglich 63,8 Prozent erreicht, beim Glasfaser-Zugang liegt dieser Wert bei 82,7 Prozent. Am besten schnitt allerdings Kabel Internet ab, hier wurden durchschnittlich 89,5 Prozent der Spitzengeschwindigkeit gemessen. In den USA wiederum, wo die Anschlussarten mit wesentlich geringeren Referenz-Bandbreiten beworben wurden, weicht die Praxisleistung demnach auch deutlich weniger ab: Bei DSL wurden durchschnittlich 85,3 Prozent der beworbenen Datenrate erreicht und bei Kabel Internet sogar 98,5 Prozent. Glasfaser-Verbindungen wiederum übertrafen regelmäßig die vertraglich zugesicherten Vorgaben, im Schnitt brachten diese nämlich 115,3 Prozent der versprochenen Leistung.
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