Beschwerden über Netzausbau der großen DSL Anbieter häufen sich

DSLWEB News | , 15:10 Uhr | Ingo Hassa

Telekom Glasfaserausbau
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Die Bundesregierung hat die Richtung vorgegeben, bis 2018 sollen alle deutschen Haushalte Highspeed-Internet mit 50 Mbit/s beziehen können. Tatsächlich investieren die Netzbetreiber kräftig in ihre Infrastruktur - müssen sich aber vorwerfen lassen, statt flächendeckendem Ausbau "Rosinenpickerei" zu betreiben.

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt zeigte sich nun auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, höchst kritisch gegenüber der Ausbaupraxis der etablierten deutschen Netzbetreiber: Es sei "verwunderlich", dass die Betreiber hohe Kosten beklagen würden, andererseits aber vielerorts "parallelen Breitbandausbau finanzieren".

Rosinenpickerei zulasten der deutschen Steuerzahler?
Laut Bundesnetzagentur häufen sich konkrete Beschwerden über die Ausbaupraxis der großen Netzbetreiber. So sollen die Anbieter immer wieder Anfragen aus bisher unterversorgten Regionen abschmettern. Wenn dann aber lokale Initiativen oder Betreiber selbst in die örtliche Breitband-Infrastruktur investieren, ruft dies nicht selten eben diese etablierten Größen auf den Plan, die sich dann an den parallelen Netzausbau machen.

Exemplarisch hierfür steht beispielsweise der aktuelle Streit der Stadtwerke Bamberg mit der Deutschen Telekom. Über das Tochterunternehmen Stadtnetz Bamberg haben die Stadtwerke bereits 20.000 Haushalte an ihr Glasfasernetz angeschlossen, allein 2015 sollen 7.000 weitere Bamberger Haushalte folgen. Die Nachfrage vor Ort ist also groß - was wohl auch die Telekom und Kabel Deutschland beobachteten und sich ihrerseits an den Netzausbau in der Stadt machten. Wo die Stadtwerke ihre Glasfaser bis ins Haus ziehen, beschränkt sich die Telekom dabei sogar auf die Glasfaser-Anbindung der Kabelverzweiger.

"Drückerkolonnen" im Auftrag der Telekom unterwegs?
Doch der Aufbau der Doppelstruktur ist nicht das einzige, was die Stadtwerke verärgert: Sie lassen derzeit aktiv prüfen, ob die großen Betreiber beim Vertrieb "unlautere Methoden" einsetzen, welche "die Bürgerinnen und Bürger verunsichern und den Stadtwerken Bamberg schaden". Solcherlei Vorwürfe sind noch nicht einmal neu: Auch die Breitbandversorgung Pfalz (BBV Pfalz) berichtet von "Drückerkolonnen", die im Auftrag der Telekom Unwahrheiten über den lokalen Provider verbreiten. So hätten Vertriebsmitarbeiter unter anderem behauptet, die BBV Pfalz sei insolvent, von der Telekom AG übernommen worden oder könne schlicht die von ihr beworbenen Geschwindigkeiten nicht liefern.

Telekom weist Vorwurf der Rosinenpickerei zurück, kündigt Untersuchung an
Den Vorwurf, das Unternehmen suche sich beim Breitbandausbau vor allem die besten Stücke heraus, wies die Telekom auf Anfrage des Portals teltarif.de als "absurd" zurück. Stattdessen bekenne sich der Marktführer fest zu dem Vorhaben, bis Ende nächsten Jahres 65 Prozent aller Haushalte in Deutschland mit Highspeed-Internet zu versorgen. Punktuelle Überschneidungen beim Netzausbau kämen zwar vor, sorgten aber für fairen Wettbewerb vor Ort. Und ohnehin engagiere sich kein Unternehmen so beim Ausbau in ländlichen Regionen wie die Telekom - die bereits 5.500 Kooperationen mit Kommunen vereinbart hat.

Die Vorwürfe, welche die BBV Pfalz gegenüber den Vertriebspartnern der Telekom erhoben hat, nimmt das Unternehmen aber offenbar durchaus ernst: Die Telekom will diese überprüfen und, sollten sich diese als wahr herausstellen, gegen das beauftrage Marketingfirma entsprechend vorgehen.



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