Festnetz-Telefonie verliert weiter an Bedeutung

DSLWEB News | , 10:15 Uhr | Ingo Hassa

Ein Telefonanschluss in fast jeder Wohnung, ein Handy in fast jeder Tasche und dazu beherrschen inzwischen günstige Flatrate-Tarife den Markt. Unter diesen Voraussetzungen wäre es eigentlich kaum überraschend, wenn so viel telefoniert werden würde wie nie zuvor. Tatsächlich aber machen alternative Kommunikationskanäle wie Instant Messaging und Video-Schalten der klassischen Sprachtelefonie zunehmend Konkurrenz. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie des Branchenverbands BITKOM.

Durchschnittsdeutscher telefoniert 57 Stunden im Jahr
Trotz eines Mangels an Emojis droht das normale Telefongespräche natürlich noch lange nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Nach Schätzung der Bundesnetzagentur kamen durch abgehende Telefonate im vergangenen Jahr beeindruckende 279 Mrd. Gesprächsminuten zusammen. Im Vergleich zu 2012 bedeutet dies jedoch einen Rückgang um 4 Mrd. Minuten oder 1,4 Prozent.

Den Höhepunkt der Sprachtelefonie-Nutzung verzeichnete die Bundesnetzagentur im Jahr 2010 mit ingesamt 295 Mrd. Gesprächsminuten, seitdem ist diese Gesamtzahl rückläufig. Über die letzten Jahre hinweg gab es jedoch zugleich eine deutliche Verschiebung hin zum Mobilfunk. Allein seit 2012 ist die Zahl der Gesprächsminuten im Festnetz um 3 Prozent auf 169 Mrd. gefallen, während die Mobilfunk-Minuten um knapp ein Prozent auf 110 Mrd. zugelegt haben.

Zwar wächst das Mobilfunk-Segment längst nicht mehr so rasch wie noch vor einigen Jahren, die Rückgänge bei der Sprachtelefonie gehen aber gänzlich auf das Konto des Festnetzes. Während die Gesamtzahl der Gesprächsminuten seit dem Rekordjahr 2010 nämlich um "nur" 5 Prozent gefallen sind, ist die Festnetz-Nutzung im gleichen Zeitraum um ganze 12 Prozent eingebrochen.

Festnetz erhält neue technische Grundlage
Ganz wertfrei könnte man sagen: Das Festnetz ist heute auch nicht mehr das, was es einmal war. Der klassische analoge Telefonanschluss befindet sich nämlich mehr und mehr auf dem Rückzug und wird zunehmend durch IP-basierte Anschlüsse ersetzt, bei denen auch Sprachdaten auf digitalem Wege übertragen werden. Inzwischen entfallen auf diese IP-Telefonanschlüsse immerhin bereits 30 Prozent der gesamten Festnetz-Minuten, im Jahr 2010 hingegen waren es erst 21 Prozent.

Diese Entwicklung wird sich in nächster Zeit nur noch beschleunigen. Denn die IP-Anschlüsse kommen nicht nur von den zahlreichen Telekom-Konkurrenten, die diese quasi als "Beigabe" zu ihren DSL Anschlüssen bereitstellen, auch die Deutsche Telekom arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, ihr gesamtes Netz auf eine "All-IP"-Struktur umzustellen.

Die Trennlinie zwischen Internet- und Telefonverbindung ist damit längst schon aufgeweicht. Genauso etablieren sich neue Kommunikations-Möglichkeiten immer mehr. Ein Beispiel ist etwa die Videotelefonie über das Internet. Im Jahr 2011 wurde diese von rund 7 Mio. Bundesbürgern zumindest gelegentlich genutzt, bis Ende 2013 ist dieser Wert bereits auf 17 Millionen geklettert.



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