Netzentgelte

Stromkunden zahlen Gebühren für die Nutzung der Stromnetze

Netzentgelte nehmen einen Großteil des Strompreises ein. Verbraucher zahlen diese über ihre Stromrechnung an die Betreiber von Stromnetzen. Wir erklären, wie sich die Netznutzungsentgelte zusammensetzen und wie hoch sie ausfallen.

von Vera Reichmann-Stoltenfeldt
Aktualisiert 14.09.2021
Netzentgelte: Bedeutung & Kosten der Netzgebühren
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Netzentgelte Strom

Überblick: Netzentgelte

  • Gesetzlich geregelt durch §20 EnWG & der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV)
  • Veröffentlichungspflicht der Netzbetreiber im Internet
  • Sind unabhängig von der genutzten Stromleitung
  • sind regional und bei jedem Verteilnetzbetreiber unterschiedlich hoch
  • zahlt jeder Netznutzer an die Netzbetreiber

Anteil am Strompreis 2021: 24,5 %

Bestandteile des Strompreises

  • Netzentgelte (24,5 %)
    regionale Unterschiede, durchschnittl. 7,8 Cent/kwh
  • Stromerzeugung (24,1 %)
    variable Kosten, durchscnittl. 7,7 Cent/kwh
  • Steuern, Abgaben & Umlagen (51,4 %)
    vom Staat festgelegte Kosten
    davon Netzentgelte (24,5 %) = 7,8 Cent/kwh

Durchschnittliche Strompreis 2021: 31,94 Cent/kwh

Quelle: DSLWEB / BDEW

Was ist das Netzentgelt?

Bei den Strom Netzentgelten oder auch Netznutzungsentgelten handelt es sich um eine Gebühr, welche die Netzbetreiber gegen die Stromanbieter erheben, sobald diese Strom durch die Versorgungsnetze leiten. Damit decken die Netzentgelte die Kosten für die Nutzung und Instandhaltung der Stromnetze ab. Der Stromanbieter wiederum berechnet die Netzentgelte in seinen Strompreis mit ein und legt so die zu zahlende Gebühr auf den Verbraucher um. Dieser begleicht über seine Stromrechnung die Strom Netzentgelte, welche dann von dem Stromanbieter an die Netzbetreiber weiter geleitet werden.

Die Stromnetzbetreiber in Deutschland

Allgemein lässt sich zusammenfassen: Jeder, der das Stromnetz nutzt, zahlt die sogenannten Netznutzungsentgelte an die Netzbetreiber. Sie sorgen für eine stabile Stromnetzinfrastruktur durch den Bau, Betrieb und Instandhaltung eben dieser. Dabei sind die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) von den Verteilnetzbetreibern (VNB) zu unterscheiden. In Deutschland gibt es vier große Übertragungsnetzbetreiber. Sie betreiben die Hochspannungsnetze und leiten den Strom innerhalb Deutschlands über große Entfernungen.

Deutsche Übertragungsnetzbetreiber:

  • Tennet
  • 50Hertz
  • Amprion
  • TransnetBW

Dagegen gibt es in Deutschland über 900 Verteilungsnetzbetreiber, welche die Niederspannungsnetze betreiben. Wie der Name bereits erahnen lässt, leiten die Verteilungsnetzbetreiber den Strom bis zum Endverbraucher und sind besonders für die Haushaltsverbraucher von Interesse.

Netzentgelte Strom: Haushaltskunden vs. Industriekunden

Da Haushaltskunden ganz unten in der Stromnetz-Kette angesiedelt sind, müssen sie für alle Stromnetzebenen (Höchstspannungs- bis Niederspannungsnetz) die Gebühren entrichten. Somit zahlen Haushaltskunden den Hauptanteil der Netzentgelte.

Industriekunden dagegen, die mit einem höheren Stromverbrauch an Mittel- oder Höchstspannungsnetze angeschlossen sind, zahlen dagegen deutlich weniger Netzentgelte, da sie nicht für alle Stromnetzebenen aufkommen müssen. Hinzu kommt, dass sich Industriekunden ab einem Stromverbrauch von über 1 Gigawattstunde (GWh) von den Netzentgelten befreien lassen können. Dieser Fehlbetrag wird dann über die Haushaltskunden wieder ausgeglichen.

So werden Netzentgelte festgelegt

Wie hoch die zu zahlenden Netzentgelte ausfallen, richtet sich nicht nach der Länge der genutzten Stromleitung und wird auch nicht durch die Netzbetreiber selbst definiert. Diese haben sich an eine Erlösobergrenze zu halten. Die stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) sowie gesetzliche Vorgaben nach §20 des EnWG legen für jeden Netzbetreiber eine Erlösobergrenze fest. Für den Netzbetreiber bedeutet das, er darf nicht mehr an Netzentgelten einnehmen, als die Erlösobergrenze vorgibt.

Anhand der jeweils vorgegebenen Erlösobergrenze legt der Netzbetreiber dann das Strom Netznutzungsentgelt für seine Netze fest. Durch diese Regelung kommt es zu uneinheitlichen Netznutzungsgebühren innerhalb Deustchlands, so dass Verbraucher je nach dem, welches Stromnetz genutzt wird, unterschiedlich hohe Netzentgelte Strom zahlen. Die Netzbetreiber sind dazu verpflichtet, die Höhe ihrer Netzentgelte Strom im Internet zu veröffentlichen.

Höhe der Netzentgelte: Das zahlen Verbraucher

Verbraucher finden den Betrag, den sie für die Netzentgelte Strom zu entrichten haben, auf ihrer Stromrechnung. Der Stromanbieter ist dazu verpflichtet, die Netznutzungsgebühren dort auszuzeichnen. Im Durchschnitt zahlen Verbraucher in Deutschland 2021 pro Kilowattstunde 7,8 Cent für Strom Netzentgelte.  

Bei einem 3-Personenhaushalt mit durchschnittlich 3500 kWh Stromverbrauch zahlen Verbraucher 273 € Netzentgelte (3500 kWh x 7,8 Cent/kWh). Allerdings handelt es sich hier wie gesagt um den bundesweiten Durchschnitt, da in Wirklichkeit die Netznutzungsgebühren innerhalb Deutschlands unterschiedlich hoch ausfallen.

Netzentgelte als Teil des Strompreises

Die Gebühr, welche deutsche Privathaushalte für die Nutzung der Stromnetze indirekt über ihre Stromrechnung bezahlen, macht im Durchschnitt 24,5 % des Strompreises aus. Gemeinsam mit den Stromerzeuger- und beschaffungskosten, den Steuern, Abgaben und Umlagen, bilden die Netzentgelte die Strompreiszusammensetzung. Da die Netzentgelte in Deutschland nicht einheitlich ausfallen, sind als Konsequenz auch die Strompreise unterschiedlich hoch. Deshalb sollten Verbraucher regelmäßig einen Stromtarif Vergleich vornehmen, um gegebenenfalls in einen günstigeren Tarif oder gegebenenfalls zu einem anderen Stromanbieter zu wechseln.

Strompreiszusammensetzung 2021 in ct./kWh

Durchschnittl. Haushaltsstrompreis 2021: 31,94 ct./kWh; Quelle: DSLWEB / BDEW

Netzgebühren nicht überall gleich

Bei den Netznutzungsgebühren kommt es je nach Netzbetreiber und Region zu Unterschieden. Das hat verschiedene Gründe. Eine große Rolle spielt, wie dicht eine Region besiedelt ist, da die Netzkosten auf die jeweiligen Netznutzer verteilt werden. So zahlen ländliche Regionen mit einer geringeren Einwohnerzahl höhere Netzentgelte, als dicht besiedelte Städte. Hinzukommt die Netzauslastung. Da die Stromnetze in den neuen Bundesländern nicht so stark ausgelastet sind, wie in den alten, fallen hier höhere Gebühren an. In Kombination mit der Bevölkerungsdichte entsteht ein deutliches Gefälle zwischen den alten und neuen Bundesländern.

Daneben spielen die Netze selbst natürlich auch eine Rolle. Sowohl die Qualität als auch das Alter beeinflussen die Netznutzungskosten. Ältere Netze mit geringeren Restwerten bedeuten niedrigere Kosten, als bei neuen Netzen. Allerdings wird sich dieses Verhältnis umkehren, sobald die alten Netze modernisiert oder erneuert werden müssen. 

Durch den Netzausbau und die Versorgungssicherheit kommen auf die Übertragungsnetzbetreiber höhere Kosten zu, welche sich ebenfalls in den Netzentgelten niederschlagen. Dazu kommen die Kosten für die Integration Erneuerbarer Energien. Hier zeigt sich beospielsweise bei Windanlagen ein weiterer Effekt: Diese sorgen für steigende Stromerzeugung im Nieder- und Mittelspannungsbereich (untere Spannungsebenen), was dazu führt, dass aus höheren Spannungsebenen und dem Transportnetz weniger Strom entnommen wird. So fallen die gleichen Kosten auf weniger Kilowattstunden an.

Gründe für uneinheitliche Netzentgelte

  • regional unterschiedliche Netzauslastung
  • zunehmende Erzeugung in unteren Spannungsebenen
  • Alter und Qualität der Netze
  • Integrationskosten für Erneuerbare Energien
  • steigende Kosten bei Übertragungsnetzbetreibern
    (Netzausbau, Versorgungssicherhiet)
  • Kosten für "vermiedene Netzentgelte"

Netzentgelte: West- vs. Ostdeutschland

Das große Gefälle der Netzentgelte zwischen Ost- und Westdeutschland haben wir eben bereits angesprochen. Grund dafür sind nicht nur die niedrigere Bevölkerungsdichte und geringere Netzauslastung sondern auch der zunehmende Ausbau Erneuerbarer Energien und die damit verbundenen Kosten für den Netzausbau in den neuen Bundesländern. Dadurch war der Strompreis in Ostdeutschland spürbar teurer als in den alten Bundesländern. Seit 2019 allerdings werden die Entgelte der vier großen Übertragungsnetze Schritt für Schritt angeglichen. Bis 2023 sollen die Gebühren vereinheitlicht sein.

Fragen und Antworten rund um die Abschlagszahlung Strom

Was sind Netzentgelte Strom?

Sobald Strom durch die Versorgungsnetze der Netzbetreiber geleitet wird, fallen dafür Gebühren an. Die sogenannten Netzentgelte, oder auch Netznutzungsentgelte genannt, werden von den Netzbetreibern bei den Stromanbietern erhoben. Diese wiederum legen die Gebühr auf ihren Strompreis um und geben diese an den Endverbraucher weiter. Die Netzentgelte machen gut ein Viertel des Strompreises aus.

Wie hoch sind die Netzentgelte?

Innerhalb Deutschlands fallen die Netzentgelte unterschiedlich hoch aus. Das liegt an unterschiedlichen Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber und der jeweiligen Region. Da die Netzentgelte auf alle Stromverbraucher umgelegt werden, zahlen weniger dicht besiedelte Gebiete höhere Netzentgelte als dicht besiedelte Regionen. Mit 24,5 % nehmen sie knapp ein Viertel des Strompreises ein. Durchschnittlich zahlen Verbraucher 7,8 Cent/kWh.

Wer zahlt die Netznutzungsentgelte?

Die Netzbetreiber erheben die Netzentgelte gegenüber den Stromanbietern. Diese lassen die Kosten in ihren Strompreis mit einfließen, sodass Endverbraucher die Netzentgelte über ihre Stromrechnung bezahlen. Die Stromanbieter übermitteln die Netznutzungsgebühr dann an die Netzbetreiber.