Deutschland fällt bei Breitbanddurchdringung weiter zurück

DSLWEB News | , 11:43 Uhr

Nach einer aktuellen Studie des Unternehmens Mercer Management fällt Deutschland bei der Breitbanddurchdringung weiter zurück, heißt es in einer Pressemitteilung des Medienbüro Sohn auf Firmenpresse.de.

„Gelingt es nicht, diese Lücke in der Breitbandversorgung in den nächsten Jahren zu schließen, verliert Deutschland zunehmend den Anschluss im internationalen Innovationswettbewerb und verschenkt dadurch volkswirtschaftliche Wachstumsmöglichkeiten“, mahnt Wolfgang Bock von Mercer Management in Bezug auf die im internationalen Vergleich schwache Breitbanddurchdringung.

„Wenn die Breitbandpenetration in Deutschland heute mit 16 Prozent deutlich unter Frankreich mit 22 Prozent, Belgien mit 32 Prozent und der Niederlande mit 41 Prozent liegt, und das bei einem durchaus günstigen Preisniveau im europäischen Vergleich, so stimmen einfach Angebot, Vermarktung und Bereitstellung nicht. Diese Situation in Deutschland ist auch das Ergebnis eines von einem übermächtigen Anbieter beherrschten Marktes, in dessen Schatten kleine Wettbewerber schwerlich existieren können“, sagte der Branchenexperte Omar Khorshed, welcher Chef der Düsseldorfer Acoreus AG ist.

Einer der Gründe für die schwache Breitbandpenetration ist die marktbeherrschende Stellung der Deutsche Telekom AG, welche bei DSL einen Marktanteil von 90 % hat während die Wettbewerber sich darauf beschränken per DSL-Resale die DSL-Anschlüsse des Bonner Ex-Monopolisten unter eigenen Namen zu vermarkten oder die sogenannte Teilnehmeranschlussleitungen zu mieten.

Die alternativen Breitband-Technologien wie Powerline und Breitband per Kabel spielen in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle und eine eigene DSL-Infrastruktur ist auch selten.

Im Bereich WLAN will die Deutsche Telekom AG mit 10.000 geplanten WLAN-Hotspots zum größten deutschen WLAN-Anbieter werden. Während in österreich bereits die Frequenzbänder für die drahtlose Breitbandtechnologie Wimax vergeben wurden, hinkt Deutschland hier auch hinterher.

Denn die RegTP plant derzeit eine Anhörung der Marktteilnehmer zu Wimax und will dann eine Neusortierung der erforderlichen Frequenzen im 3,5 MHz-Bereich vornehmen. Die Frequenzbänder in diesem Bereich sind nämlich durch alte Lizenzen des in Deutschland gefloppten Point-to-Multipoint Richtfunk besetzt.

“Der Wettbewerb hat die Kritik an einer Regulierungspolitik, die entgegen ihrem Auftrag immer wieder im Ergebnis den Marktführer Telekom schützt und stabilisiert, in den letzten Jahren oft bekräftigt. Aber wie auch der jährliche Marktreport von RegTP zeigt, hat man bisher von offizieller Seite immer wieder dargestellt, dass die Wettbewerbsziele für den deutschen Telekommunikationsmarkt grundsätzlich erreicht seien. Gehör haben wir in der Politik mit unserer Kritik nicht gefunden. Interessant ist nun, dass die Politik jetzt plötzlich geradezu schlagartig feststellt, dass die Marktsituation nicht in Ordnung ist. Aber das ist vor allem das Ergebnis der offiziellen Regulierungspolitik der letzten Jahre“, stellt Korshed fest.

Aufgrund der schwachen Breitbandpenetration in Deutschland haben es Triple-Play Angebote und Dienste wie beispielsweise Audio/Video-Download schwer, kommerzielle Erfolge zu landen.

„UMTS war nicht nur als Lizenz extrem teuer, auch die Netze sind aufwändig und kostspielig. Ob da der Anwender höhere Preise für UMTS-Breitbandübertragung als für DSL oder WLAN bezahlen wird, halte ich persönlich für sehr fraglich. Für stationäre oder quasi-stationäre drahtlose Breitbandanschlüsse ist der Aufwand über 3G-Netze eigentlich zu groß. Hier sind die 802.11 und 802.16 Standards, also WLAN und WiMAX, eher eine kostengünstige Alternative zu DSL. Aber bevor nicht eine kritische Masse im Markt erreicht ist und der drahtlose Breitbandzugang für die Anwender eine Alltagsanwendung geworden ist, werden sich neue, kommerziell erfolgreiche Angebote von Inhalten schwer tun. Und dieses Resultat wird sich auch gesamtwirtschaftlich auswirken, genau davor warnt die Mercer-Studie. Entgegen den vollmundigen Betonungen der Politik über die Bedeutung der ITK-Branche für die Wirtschaft sehen wir viel zu wenig aktive Umsetzung“, sagte Korshed weiter in Bezug auf UMTS und der drahtlosen Breitband-Technologie Wimax.


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