Der DSL Markt im 3. Quartal 2009

DSLWEB Special, Stand November 2009

Aktualisiert 29.01.2018
DSL Marktübersicht - die DSL Kundenzahlen im 3. Quartal 2009 4.5 / 5 2 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (2)

Die Zahl der von den sechs größten deutschen DSL Anbietern geschalteten DSL Anschlüsse stieg im 3. Quartal 2009 auf 21,3 Millionen. Während die Gesamtzahl der Neuanschlüsse im 2. Quartal auf den bisherigen Tiefstwert von 59.000 gesunken war, konnte sich das Neukunden-Geschäft mit einem Plus von 167.000 DSL Anschlüssen für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. September 2009 wieder erholen.

T-Home und Vodafone erneut mit höchsten Kundenzugewinnen

Den Großteil der neuen Verträge sicherte sich diesmal jedoch nicht - wie bisher immer üblich - die Telekom. Stattdessen gelang es Vodafone durch eine aggressive Angebotspolitik den Marktführer zu übertrumpfen. Der international tätige Telekommunikationskonzern, der nach der vollständigen Integration seiner Festnetz-Tochter Arcor vom 2. Quartal 2008 bis einschließlich 1. Quartal 2009 die Position als zweitgrößter deutscher DSL Provider eingenommen hatte, konnte im 3. Quartal 2009 insgesamt 129.000 Netto-Neukunden gewinnen. Zum Quartalsende lag die Zahl der Vodafone DSL Kunden bei rund 3,28 Millionen.

Mit einem Bestand von circa 11,3 Millionen DSL Kunden wird die Deutsche Telekom auf absehbare Zeit ihre Position als unangefochtener Marktführer behalten. Dennoch bekommt auch T-Home den starken Konkurrenzdruck auf dem deutschen DSL Markt zu spüren. Während die Zahl der T-Home Neukunden seit Jahren durchgehend im sechsstelligen Bereich gelegen hatte, konnte T-Home im 3. Quartal 2009 unter dem Strich nur noch 72.000 DSL Neukunden verbuchen. Dieses schwache - aber nach Telekom- Aussagen nicht unerwartete - Ergebnis sieht T-Home auch in der zunehmenden Wechselbereitschaft der deutschen Breitband-Kunden begründet: Nachdem T-Home 2007 stark zugewinnen konnte (allein 480.000 DSL Neukunden im Q3 2007), wechselten nun viele Kunden nach dem Auslaufen ihrer 24- Monatsverträgen zu einem alternativen DSL Anbieter. Als direkte Folge hatte T-Home im 3. Quartal 2009 573.000 Anschlussverluste zu kompensieren.

Nach einer längeren Anlauf-Phase gewinnt dafür die Vermarktung der unter der Bezeichnung T-Home Entertain geführten Triple-Play Angebote an Schwung. Bis zum 30. September erhöhte sich die Zahl der aktiven Entertain-Anschlüsse um 117.000 auf 678.000. Nach eigenen Aussagen sieht T-Home die Etablierung der Triple-Play Komplettpakete auf dem Massenmarkt weiterhin als eines der wichtigsten Geschäftsziele für dieses und das kommende Jahr.


Marktanteile DSL Anbieter Deutschland Q3 2009
Marktreport Q3 2009 - Marktanteile in der Übersicht

1&1 DSL hofft auf Trendwende im Neukundengeschäft

Durch den Zukauf der DSL-Sparte der Freenet AG konnte 1&1 seine Kundenstamm im 2. Quartal 2009 nicht nur schlagartig erhöhen, sondern eroberte auch den Platz als kundenstärkster deutscher DSL Provider nach der Telekom zurück. Aus eigener Kraft konnte 1&1 seit Jahresbeginn jedoch nicht mehr wachsen. Nach dem Netto-Verlust von 50.000 DSL Anschlüssen im 2. Jahresquartal schwächte sich der Kundenrückgang im 3. Quartal allerdings auf ein Minus von 30.000 DSL Verträgen ab. 1&1 sieht darin eine Trendwende und erwartet auch für die folgenden Monate eine weitere Verbesserung. Sollte das Neukundengeschäft von 1&1 allerdings nicht deutlich anziehen, wird Vodafone mit seinem starken organischen Wachstum 1&1 bald erneut überholen können.

Dem proportional schwersten Kundenrückgang sieht sich die Versatel AG gegenüber, deren Kundenzahl von zuletzt 710.000 auf 694.000 gesunken ist. Laut Versatel umfasst dieses Minus allerdings auch etwa 9.000 Inkasso-Kunden, die infolge einer Bereinigung des eigenen Kundenstamms aus dem Portfolio entfernt wurden. Als Konsequenz aus den Umsatzrückgängen im Privatkundengeschäft will Versatel seinen Fokus in Zukunft auf Großkunden und die Vermietung der eigenen Infrastruktur an Wettbewerber legen.

Telecom Italia bahnt Verkauf von Alice DSL an

Direkt zum Beginn des 2. Quartals stellte Telecom Italia seine deutsche Tochter HanseNet (Alice) offiziell zum Verkauf. Diese hatte schon länger mit Kundenverlusten zu kämpfen, konnte den Rückgang an DSL Verträgen im 3. Quartal jedoch von einem Minus von 36.000 im 2. Quartal auf 7.000 reduzieren. Gleichzeitig zur Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen für das 3. Quartal gab Telecom Italia dann die Übernahme von HanseNet durch die Spanische Telefonica bekannt. Diese ist in Deutschland mit der Marke o2 vertreten, deren DSL Geschäft zuletzt zwar hohe Wachstumsraten aufwies, von der Kundenzahl her jedoch nie an die größeren Konkurrenten heranreichen konnte. Die Übernahme der fast 2,3 Millionen Alice-Kunden ermöglicht Telefonica den Aufstieg in die Top-Riege der deutschen DSL Provider.

Die Gründe, die Telecom Italia in seinem 9-Monatsbericht für den Verkauf von HanseNet aufführt, spiegeln die Schwierigkeiten wieder, mit denen auch die übrigen Marktteilnehmer konfrontiert sind: Neben den mit dem unablässigen Preiskampf verbundenen schwindenden Gewinnmargen wird unter anderem auf die zunehmend gefestigte Marktposition der vorherrschenden Provider sowie auf das schwierige regulatorische Umfeld in Deutschland verwiesen. Ein weiteres Problem stellten die hohen Kosten für den weiteren Infrastruktur-Ausbau dar. Der sei jedoch unabdingbar, um gegenüber neuen Highspeed-Angeboten, die auf Techniken wie VDSL und Fibre-to-the-Home basieren, nicht den Anschluss zu verlieren.

DSLWEB Marktreport Q3 2009

Weiter stetiger Kundenzuwachs bei Kabel Internet

Kabel Internet gewinnt als Konkurrenz-Technik zum herkömmlichen DSL Anschluss weiter an Boden. So konnten die drei großen deutschen Kabelnetzbetreiber die Zahl ihrer Breitband-Internet Kunden innerhalb des 3. Quartals 2009 um weitere 161.000 auf insgesamt 1,89 Millionen steigern.

Einer der Gründe für diesen Erfolg ist die wachsende Verfügbarkeit der Kabel Internet Produkte. Nachdem Kabel Deutschland seit 2005 rund 500 Millionen Euro in die Modernisierung seines Kabelnetzes gesteckt hat, kann das Unternehmen mittlerweile mehr als 12 Millionen Haushalte mit breitbandigen Internetverbindungen versorgen. Auch Unitymedia kann seine Triple Play Lösungen inzwischen in 90 Prozent seines Ausbaugebietes anbieten, während Kabel BW nach eigenen Angaben bereits 99 Prozent seiner 3,5 Millionen Kabel-Haushalte auf die neue Technik umgestellt hat.

Kabel Deutschland konnte im 3. Quartal 2009 64.000 neue Kabel Internet Kunden gewinnen und stellt mit rund 851.000 Breitband-Anschlüsse so schon mehr Internetanschlüsse bereit als Versatel DSL, die derzeitige Nummer 5 unter den DSL Anbietern. Die Zahl der Unitymedia Internet-Kunden kletterte währenddessen um 41.000 auf insgesamt 537.000. Damit gehen inzwischen 12 Prozent der Unitymedia-Kunden über ihren Kabel-Anschluss online. Noch höher liegt dieser Anteil bei Kabel BW - hier nutzen bereits 22 Prozent der Kunden ihren Kabelanschluss auch als Internetzugang. Genaue Zahlen zum Abschluss des 3. Jahresquartals liegen für Kabel BW zwar nicht vor, jedoch konnte der Anbieter kurz nach Ende des Quartals bereits seinen 500.000 Kunden vermelden.


Kabel-Internet in Deutschland
Marktreport Q3 2009 - Kundenzahlen in der Übersicht

Grafiken und Zahlenmaterial zur DSL Marktentwicklung

Im DSLWEB Pressebereich finden Sie weitere Grafiken mit Informationen zur Kundenentwicklung auf dem deutschen Breitband-Markt. Für die Veröffentlichung in Online- und Printmedien sind die Schaubilder dort in verschiedenen Datei-Formaten hinterlegt: DSLWEB Pressebereich



DSLWEB Archiv: Der deutsche Breitbandmarkt seit 2007

Bei den Berichten zu einzelnen Quartalen handelt es sich zwangsläufig um Momentaufnahmen. Trends und historische Entwicklungen allerdings zeichnen sich erst über längere Zeiträume ab.

DSLWEB begleitet den deutschen Breitband-Markt bereits seit 2007 mit regelmäßig erscheinenden Reports. Über den Gesamtindex können alle bisherigen Ausgaben zentral abgerufen werden.

Zur Gesamtübersicht: DSLWEB Breitband Report Deutschland

Alle Breitband-Reporte aus dem Jahr 2009 lassen sich auch direkt über folgende Links erreichen: