Q3 2015: Vodafone vereint erstmals mehr Kabel Internet Verträge als DSL Anschlüsse

DSLWEB Breitband Report Deutschland Q3 2015

Das einschneidendste Ereignis im Q3 2015 ist ein Abschied, denn rund zwei Jahre nach der Übernahme des Kabelnetzbetreibers legt Vodafone den Markennamen Kabel Deutschland endgültig zu den Akten. Damit wird das Kabelgeschäft für Vodafone allerdings nicht weniger wichtig, sondern rückt vielmehr noch stärker ins Zentrum.

Aktualisiert 15.08.2017
DSLWEB Breitband Report Q3 2015: Vodafone stampft Marke Kabel Deutschland engültig ein 4.4 / 5 15 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (15)

Unterm Strich haben die fünf größten deutschen Festnetz-Internetanbieter seit Jahresbeginn 2015 ein relativ konstantes Kundenwachstum verzeichnet. Im Q3 2015 ist die Zahl der Breitband-Kundenverträge bei den Top-Five so um weitere 210.000 auf knapp 27,6 Millionen angestiegen.

Kabel Internet ist dabei zwar nach wie vor der große Wachstumstreiber, doch auch die Zahl der DSL Kundenverträge ist einmal mehr im Plus. Dank effektiver Zugewinne bei 1&1 und Telekom hat dieses Segment zwischen Juli und September um 54.000 auf knapp 21,73 Millionen Verträge zugelegt. Die Zahl der Kabel Internet Abonnements von Unitymedia und Vodafone hat sich derweil um 156.000 auf 5,87 Millionen erhöht.

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Deutsche Telekom auch im 2. Halbjahr gut auf Kurs

Die Zahl der DSL Kundenverträge beim Marktführer Deutsche Telekom ist in den ersten neun Monaten 2015 relativ konstant angestiegen und kletterte im Q3 2015 um weitere 78.000 auf knapp 12,6 Millionen. Ihr inzwischen angepeiltes Ziel von einer Viertelmillion Netto-Neuverträgen in 2015 (siehe auch Breitband Report Q2 2015) hat die Telekom damit fast schon erreicht - insgesamt hat sie zum 30. September bereits ein Plus von 235.000 DSL Verträgen eingefahren.

Besonders hohe Zuwachszahlen verzeichnete die Telekom weiterhin bei den Glasfaseranschlüssen, allein zwischen Juli und September ist deren Zahl um 425.000 auf 3,84 Millionen angestiegen. Wie immer gilt hier jedoch anzumerken, dass die Telekom nicht nur die "echten" FTTH Direktverbindungen zu den Glasfaseranschlüssen zählt, sondern eben auch die konventionelleren VDSL Anschlüsse.


Diagramm: Kundenzahlen der führenden Breitband-Anbieter in Deutschland Q3 2015

Das kontinuierliche Wachstum in diesem Segment sieht die Telekom selbst als "das Ergebnis eines konsequenten Netzausbaus" - im Q3 2015 hat das Unternehmen demnach rund 600.000 Haushalte neu an ihre VDSL Infrastruktur angeschlossen. Die steigende Verfügbarkeit hoher Bandbreiten hilft der Telekom nicht zuletzt auch bei der Vermarktung ihres internetbasierten Fernsehangebots Telekom Entertain, welches sich mehr und mehr zur wichtigen Stütze ihres Festnetz-Geschäfts entwickelt.

Im Q3 2015 ist die Zahl der Telekom Entertain Kundenverträge um 54.000 auf etwa 2,63 Millionen angewachsen - zum 30. September bezogen damit knapp 21 Prozent aller Telekom Breitband-Kunden auch den IPTV-Service. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist der TV-Umsatz der Telekom so um 10,6 Prozent auf 291 Mio. Euro angestiegen. Dieser kräftige Zuwachs kann die Umsatzrückgänge im Breitband-Geschäft (-1,6%) und bei den Sprachdiensten (-7,4%) zwar nicht kompensieren, trägt aber zumindest dazu bei, diese abzufedern. Unterm Strich lag der Gesamtumsatz der Festnetz-Sparte im Q3 2015 mit 1,764 Mrd. Euro noch rund 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Marktgeschehen im Q3 2015 in Stichpunkten

  • Vodafone stellt Markenauftritt Kabel Deutschland offiziell ein
  • Vodafone zählt erstmals mehr Kabel Internet- als DSL-Verträge
  • Unitymedia überschreitet Marke von 3 Mio. Internet-Abonnements

Vodafone: Kabel Deutschland ist (beinahe) Geschichte

Der Beginn des Q3 2015 markierte einen wichtigen Einschnitt für Vodafone: Im Zuge der Umfirmierung der "Kabel Deutschland Vertrieb und Service GmbH" in die neue "Vodafone Kabel Deutschland GmbH" ist die Integration der beiden Unternehmen nun im Wesentlichen abgeschlossen. Mit diesem Schritt ging jedoch auch eine entscheidende Änderung in der Außendarstellung einher, denn zum 2. September 2015 hat Vodafone den Kabel Deutschland-Markenauftritt offiziell zu Grabe getragen.

Bereits im Mai hatte Vodafone damit begonnen, sämtliche Vodafone- und Kabel Deutschland-Produkte unter der Dachmarke "Zuhause Plus" zusammenzuführen. Seit September werden nun auch die Kabel-Angebote auf allen Vertriebs-Kanälen - vom Online-Shop bis zum Ladenlokal - konsequent unter der Kernmarke Vodafone geführt. Das vereinheitlichte Festnetz-Portfolio ist dabei in "Vodafone DSL" und "Vodafone Kabel" aufgeteilt. Völlig will sich Vodafone aber offenbar noch nicht von dem alten Markenauftritt lösen, denn derzeit sind beide Produktschienen in der Werbung noch mit dem Hinweis "Mit der Power von Kabel Deutschland" versehen.


Diagramm: Marktanteile der führenden Breitband-Anbieter in Deutschland Q3 2015

Während der Name Kabel Deutschland aus der Vermarktung genommen wird, ist die leistungsstarke Kabelinfrastruktur längst zentraler Teil von Vodafones Festnetz-Strategie. So stellt das Q3 2015 auch noch einen weiteren Wendepunkt für Vodafone dar - zum ersten Mal nämlich übersteigt die Zahl der Vodafone Kabel Internet Abonnements die der klassischen DSL Kundenverträge.

Überraschend kommt dies jedoch keineswegs, schließlich hat die Zahl der Vodafone DSL Verträge seit ihrem Zenit Ende 2010 kontinuierlich abgenommen. Im Q3 2015 hat Vodafone nun nochmals 32.000 DSL Verträge eingebüßt, die Kabelsparte dagegen kam im gleichen Zeitraum auf ein effektives Plus von 98.000 Breitband-Verträgen. Zum 30. September 2015 zählte Vodafone damit rund 2,83 Millionen Kabel Internet Kunden und nur noch 2,76 Millionen DSL Verträge.

Das erfolgreiche Kabelgeschäft hat letztlich auch zur Stabilisierung von Vodafones Festnetz-Serviceumsätzen geführt, die sich auf dem Niveau des Vorjahresquartals gehalten haben. Das durch die Anschlussverluste und erhöhte Neukundenvorteile bedingte Minus von 6,1 Prozent bei den DSL Serviceumsätzen konnte durch den Zuwachs von 7,1 Prozent im Kabelbereich vollständig kompensiert werden. Auch hier hat die Kabelsparte das DSL Geschäft bereits überrundet: Der Serviceumsatz im Kabel belief sich im Q3 2015 auf 502 Mio. Euro, der DSL Serviceumsatz auf 432 Mio. Euro.

Die Aussicht auf ein bundesweites Kabelnetz dürfte für Vodafone also äußerst attraktiv sein. Wie im Juni bekannt wurde, stand Vodafone tatsächlich längere Zeit in konkreten Verhandlungen mit dem Unitymedia-Mutterkonzern Liberty Global über einen Austausch einzelner Geschäftsteile. Durch die Vereinigung der Festnetz-Infrastruktur von Kabel Deutschland und Unitymedia hätte hier ein echter deutscher Kabelgigant heranwachsen können. Doch daraus wird - zumindest vorerst - nichts: In einem sehr nüchternen Statement ließ Vodafone Ende September verlautbaren, dass die Verhandlungen mit Liberty Global inzwischen beendet worden seien (siehe dazu auch den Newsbericht Vodafone beendet Gespräche mit Liberty Global).

Kabel Deutschland - Ein Abschied auf Raten

Juli 2013 - Vodafone gibt offizielles Angebot für Kabel Deutschland ab

September 2013 - Vodafone erwirbt nötige Mehrheit, EU-Kommission genehmigt geplante Übernahme

Oktober 2013 - Vodafone schließt Übernahme offiziell ab

April 2014 - Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zwischen Kabel Deutschland und Vodafone

Mai 2014 - Start der gemeinsamen Dachmarke "Zuhause Plus"

September 2015 - Markenauftritt Kabel Deutschland wird eingestellt

1&1: Testsieg lässt Werbegelder ins Festnetz fließen

Die meisten reinen DSL Kundenverträge hinter der Deutschen Telekom hält nach wie vor 1&1. Mit einem Plus von 20.000 DSL Kundenverträgen hat 1&1 im Q3 2015 nochmals genauso stark zugelegt wie im Quartal zuvor und brachte es Ende September 2015 auf insgesamt 4,27 Millionen DSL Verträge. Dabei wurde dem DSL Geschäft im Q3 letztlich sogar mehr Aufmerksamkeit zuteil als ursprünglich angedacht.

Im Juli hatte 1&1 im diesjährigen "Breitband & Festnetz-Test" der Fachzeitschrift Connect nämlich für eine echte Überraschung gesorgt: Der Provider, der abgesehen vom frisch zugekauften Versatel Glasfaser-Netz gar keine eigene Infrastruktur unterhält, schlug den Marktführer Telekom aus dem Feld und holte sich den Gesamtsieg.

Screenshot 1&1 TV-Werbespot
In TV-Werbespots macht sich 1&1 direkt über den Marktführer lustig

Kein Wunder, dass 1&1 hier das Eisen schmiedet, solange es heiß ist: Im Zuge des Testsieges wurde ein Teil der eingeplanten Marketingaufwendungen von den bei 1&1 aktuell stark im Fokus stehenden Mobilfunk-Produkten zurück zur Bewerbung der eigenen Festnetz-Angebote verschoben. In mehreren TV-Werbespots weidete 1&1 in Folge geradezu genüsslich seinen Sieg über die Telekom aus. Die Umschichtung des Werbebudgets dürfte sich nach Einschätzung von 1&1 aber vor allem im Q4 2015 bemerkbar machen. Daher rechnet der Provider zum Jahresende hin mit einem etwas geringeren Wachstum bei den Mobilfunkverträgen und einem gleichzeitig leicht höheren Anstieg bei den DSL Kundenverträgen.



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Bei den Berichten zu einzelnen Quartalen handelt es sich zwangsläufig um Momentaufnahmen. Trends und historische Entwicklungen allerdings zeichnen sich erst über längere Zeiträume ab.

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