Q3 2014: VDSL Vectoring startet und 1&1 wird ein kleines bisschen Netzbetreiber

DSLWEB Breitband Report Deutschland Q3 2014

Die Zahl der bei den sechs wichtigsten deutschen Anbietern geschalteten Festnetzbreitband-Anschlüsse ist im Q3 2014 um 148.000 auf 26,3 Millionen angewachsen.

Aktualisiert 29.01.2018
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Die Zahl der DSL Kundenverträge ging unterdessen weiter zurück - unterm Strich haben die Telekom, 1&1, Vodafone und o2 zwischen Juli und Ende September 35.000 DSL Verträge eingebüßt und vereinten zum Quartalsende noch 21,12 Millionen aktive DSL Anschlüsse.

Deutliche Kundenzuwächse konnten dagegen abermals die großen Kabelnetzbetreiber verzeichnen, deren Breitband-Kundenzahl um 183.200 auf 5,19 Millionen Internet-Abonnements angestiegen ist.

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DSL Kundenzahl geht auch im Q3 2014 weiter zurück

Zwar gelingt es der Deutschen Telekom bislang, ihre DSL Kundenzahl weitgehend stabil zu halten, richtig von der Stelle kommt der Marktführer derzeit aber nicht. Immerhin zeigt die Trendkurve leicht nach oben - mit einem Minus von 34.000 DSL Verträgen fiel die DSL Kundenabwanderung im Q3 2014 nur etwa halb so hoch aus wie im Vergleichsquartal aus dem Vorjahr.

Im Mobilfunkbereich hat o2 im Q3 2014 mit dem erfolgreichen Abschluss der Übernahme von E-Plus einen großen Erfolg verzeichnen können (siehe auch SmartWeb Mobilfunk Report Q3 2014), die erhoffte Trendwende im Festnetzbereich blieb dagegen weiterhin aus. Zwischen Juli und Ende September hat o2 DSL so weitere 30.000 DSL Kundenverträge eingebüßt und sinkt auf insgesamt 2,16 Millionen Verträge ab.

Für Vodafone DSL ging es unterm Strich nochmals um 34.000 DSL Verträge nach unten, was allerdings eine spürbare Verbesserung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Dazu kommt, dass der größte Teil dieser Anschlüsse eben nicht an die Konkurrenz verloren ging: Insgesamt 18.000 bestehende Vodafone DSL Kunden wurden nämlich auf eines der Kabel Internet Angebote des Kabelproviders Kabel Deutschland überführt, der seit dem Frühjahr 2014 zum Vodafone-Konzern gehört.

1&1 sichert sich Zugang zum zweitgrößten deutschen Glasfasernetz

Damit ist 1&1 im Q3 2014 wieder einmal der einzige unter den klassischen DSL Providern, der seine DSL Kundenbasis weiter erfolgreich ausbauen konnte. Mit 50.000 DSL Kundenverträgen wiederholt der DSL Anbieter dabei das Ergebnis aus dem Vorquartal. Und das, obwohl die großangelegte Marketingkampagne, mit der der Anbieter seine DSL Komplettpakete seit Jahresbeginn beworben hat, im Q2 2014 ausgelaufen ist. Über das erste Halbjahr 2014 hinweg nämlich hatte 1&1 seine DSL Komplettpakete in Verbindung mit stark subventionierten Marken-Tablets angeboten, wofür der Provider letztlich insgesamt 20,6 Mio. Euro aufgewendet hat. Die aktuelle Wachstumsphase von 1&1 DSL ist damit seit Anfang 2012 ungebrochen. Seitdem konnte 1&1 die Gesamtzahl seiner DSL Kundenverträge um ganze 540.000 auf die bisherige Bestmarke von 3,73 Millionen erhöhen.

Kundenzahlen Breitbandanbieter Deutschland Q3 2014
Breitband Report Q3 2014 - Kundenzahlen in der Übersicht

1&1 geht aber noch aus einem anderen Grund gestärkt aus dem Q3 2014 hervor, denn in einem nächsten Konsolidierungsschritt hat der 1&1 Mutterkonzern United Internet den Festnetzbetreiber Versatel übernommen. Nach der Bekanntgabe des Deals am 3. September 2014 und der folgenden Überprüfung durch die Kartellwächter konnten die beiden Unternehmen den Zusammenschluss bereits zum 1. Oktober offiziell machen.

Versatel gehörte selbst einmal zu den Größen auf dem deutschen DSL Markt. Auf seinem Höhepunkt Anfang 2009 brachte es der Provider so auf insgesamt 712.000 Privatkundenverträge und lag damit etwa auf dem Niveau des bereits damals schnell wachsenden Kabel Internet-Geschäfts von Kabel Deutschland.

Seitdem hat sich Versatel allerdings mehr und mehr auf das Geschäftskunden-Segment verlegt und dabei vor allem auf die Bereitstellung leistungsstarker Glasfaser-Direktanschlüsse. Inzwischen verfügt Versatel über das zweitgrößte Glasfasernetz Deutschlands und ist damit in 226 deutschen Städten vertreten. Rund 5.000 Unternehmen und Institutionen sind direkt an das Versatel Netz angeschlossen, dazu kommen etwa 440.000 private und geschäftliche ADSL- und SDSL-Anschlüsse.

Marktanteile Breitbandanbieter Deutschland Q3 2014
Breitband Report Q3 2014 - Marktanteile in der Übersicht

Laut United Internet soll Versatel auch nach der Übernahme als eigenständiges Unternehmen unter eigenem Management agieren. Trotzdem wird 1&1 direkt von dem Zukauf profitieren: Durch den Zugang zum Versatel-Netz wird der Provider - der selbst kein eigenes Netz unterhält - in Zukunft nämlich ein gutes Stück unabhängiger von den DSL Vorleistungsprodukten der Konkurrenz. United Internet rechnet hier mit einer jährlichen Ersparnis von 55 Millionen Euro.

Marktgeschehen im Q3 2014 in Stichpunkten

  • 1&1 erneut einziger DSL Anbieter mit effektivem Kundengewinn
  • 1&1 Mutterkonzern United Internet gibt Übernahme von Versatel bekannt
  • Erste VDSL Vectoring Angebote mit bis zu 100 Mbit/s gestartet
  • Vodafone überführt 18.000 erste DSL Bestandskunden auf Kabelprodukte von Kabel Deutschland

Kabel Internet: Antwort auf VDSL Vectoring Start folgt prompt

Im Kampf um Neukunden und Wechsler haben die Kabelprovider einen entscheidenden Vorteil: Über ihre modernisierten Kabelnetze können sie flächendeckend deutlich höhere Download-Geschwindigkeiten bereitstellen als die klassischen DSL Anbieter.

Der große Flaschenhals der bestehenden DSL Infrastruktur ist die sogenannte "Letzte Meile", das kupferbasierte Verbindungsstück zwischen dem Verteiler und dem Kundenanschluss. Der großflächige Ausbau von Glasfaser-Hausanschlüssen würde dieses Problem natürlich minimieren, ist aufgrund des baulichen Aufwands aber extrem zeit- und kostenintensiv. Um zu den Kabelprovidern aufzuschließen, setzen die DSL Anbieter deshalb vor allem auf die neue VDSL Vectoring Technik, über die sich Störsignale auf der Letzten Meile verringern und so höhere Bandbreiten über größere Distanzen schalten lassen.

VDSL Vectoring Schema
Grundprinzip des VDSL Vectorings (Quelle: Vodafone)

Nach einigem Vorlauf ist Ende August schließlich der Startschuss für den Einsatz von VDSL Vectoring gefallen. Seitdem können die großen DSL Provider in den ersten Ausbaugebieten VDSL Anschlüsse mit bis zum 100 Mbit/s im Download anbieten - dem Doppelten der bisherigen VDSL Höchstgeschwindigkeit.

Zumindest in den neuen Vectoring-Regionen sind die DSL Anbieter damit zumindest nahe an die Kabel-Konkurrenten herangekommen, die zu diesem Zeitpunkt bis zu 150 Mbit/s im Angebot hatten. Die Antwort ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Seit November nämlich sind in den Kabelnetzen von Kabel Deutschland und Unitymedia KabelBW nun Anschlüsse mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit/s verfügbar. Im Gegensatz zu den Vectoring Angeboten, die erst noch in der Fläche vorangetrieben werden müssen, sind die neuen leistungsstärkeren Kabel Internet Produkte zumindest bei Unitymedia und Kabel BW bereits nahezu netzweit verfügbar. Kabel Deutschland konnte zum Start immerhin schon 1,1 Millionen seiner rund 8 Millionen Kabel-Haushalte mit den neuen Geschwindigkeiten versorgen und bis zum Herbst 2015 soll diese Zahl auf 7 Millionen anwachsen.

Dementsprechend waren es dann auch einmal mehr Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW, die für das effektive Wachstum auf dem deutschen Festnetz-Breitbandmarkt gesorgt haben. Der Verbund aus Unitymedia und Kabel BW konnte die Zahl seiner Internet-Abonnenten so um 75.200 auf 2,82 Millionen erhöhen. Kabel Deutschland brachte es im Q3 2014 auf einen beträchtlichen effektiven Zugewinn von 108.000 Internet-Verträgen und kam zum 30. September damit auf 2,37 Millionen Breitband-Kunden.



Newsberichte zum Q3 2014

1&1 (18. November 2014): Versatel-Übernahme macht United Internet zum Netzbetreiber

Vodafone (11. November 2014): Kabel Deutschland stützt Vodafones Kundenbilanz

Kabel Deutschland (10. November 2014): Kabel Deutschland mit Ausnahme-Wachstum

Telekom (06. November 2014): Telekom im Q3 2014 - Nur auf den ersten Blick langweilig

Unitymedia KabelBW (06. November 2014): Unitymedia mit mehr Internet-Abos & Verlust 



DSLWEB Archiv: Der deutsche Breitbandmarkt seit 2007

Bei den Berichten zu einzelnen Quartalen handelt es sich zwangsläufig um Momentaufnahmen. Trends und historische Entwicklungen allerdings zeichnen sich erst über längere Zeiträume ab.

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