Q1 2017: Werden Premium TV-Dienste zum nächsten großen Kampfschauplatz?

DSLWEB Breitband Report Deutschland Q1 2017

Der deutsche Breitbandmarkt hält weiter Kurs. Doch wer künftig im wichtigen Rennen um konvergente Kundschaft mithalten möchte, wird wohl kaum darum herumkommen, sich auch um eine solide TV-Strategie zu bemühen. Neue Ankündigungen der Deutschen Telekom tragen jedenfalls nicht dazu bei, die Situation zu entspannen.

Aktualisiert 29.09.2017
DSLWEB Breitband Report Q1 2017 - Premium-TV als nächster großer Kampfschauplatz? 4 / 5 5 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (5)

Zum Jahresauftakt haben die sechs großen deutschen Festnetz-Breitbandprovider insgesamt 237.500 Internet-Kundenverträge hinzugewonnen. Zum Ende des Q1 2017 vereinten sie damit schließlich rund 29,65 Millionen Breitband-Verträge.

Im Kampf um Neukunden und Wechsler haben dabei nach wie vor die drei überregionalen Kabelnetzbetreiber die Nase vorn. So konnten Vodafone, Unitymedia und Tele Columbus zwischen Januar und Ende März um 125.500 auf inzwischen 7,23 Millionen Internet-Abonnements zulegen.

Doch auch DSL, VDSL und Vectoring sind derzeit durchaus gefragt: Die Zahl der Internet-Kundenverträge im klassischen Festnetz ist im Q1 um 112.000 auf 22,42 Millionen angestiegen.

DSLWEB Breitband Report Q1 2017

Erneut Rekordzuwachs bei Telekom-Glasfaser

Die Deutsche Telekom konnte auch im Q1 2017  ein sehr solides Anschlusswachstum einfahren. Unterm Strich ist die Zahl der Telekom DSL Kundenverträge zwischen Januar und Ende März um 67.000 auf knapp unter 12,99 Millionen angestiegen. Gleichzeitig verzeichnete die Telekom im Q1 2017 den bislang stärksten Glasfaser-Absatz innerhalb eines Quartals: Innerhalb von drei Monaten konnte sie so 775.000 neue Glasfaser-Anschlüsse in Betrieb nehmen. Deren Gesamtzahl ist damit auf 7,6 Millionen geklettert. Hier sind zwar auch sämtliche Anschlüsse enthalten, die auf Basis von Telekom-Technik für andere Anbieter bereitgestellt wurden, bei weit mehr als der Hälfte der aufgeführten Glasfaser-Neuanschlüsse im Q1 (433.000) handelte es sich aber tatsächlich um von der Telekom selbst vermarktete Glasfaserprodukte.

Hier wie immer zu beachten: Die Telekom fasst in der Glasfaser-Kategorie nicht nur FTTH Zugänge, sondern auch lediglich glasfaser-basierte Anschlusstechnologien wie VDSL und VDSL Vectoring zusammen. Im Zuge des weiteren Netzausbaus ist die Verfügbarkeit dieser Produkte im Jahresvergleich nochmals stark angestiegen. Zum Ende des Q1 2017 hatten so etwa 28 Millionen deutsche Haushalte Zugang zu einem der Telekom Glasfaser-Angebote und damit über vier Millionen mehr als Anfang 2016.


Diagramm: Kundenzahlen der deutschen Breitband-Anbieter Q1 2017

Vodafone DSL kann auf Wachstumsjahr zurückblicken

Das Ende des Q1 2017 markiert zugleich das Ende des Geschäftsjahres 2016/2017 für Vodafone. Das hat einige positive Entwicklungen im klassischen Festnetzgeschäft des Providers gebracht: Nicht nur konnte Vodafone Deutschland in seinem abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit fünf Jahren wieder ein Netto-Plus bei seinen DSL Kundenverträgen verzeichnen (+ 113.000), auch der Serviceumsatz der Vodafone DSL Sparte hat mit 0,8 Prozent zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder zugelegt.

Die größten Zuwächse verbucht Vodafone aber nach wie vor im Kabelsegment. Im Q1 2017 ist die Zahl der eigenen Kabel Internet Abonnenten so um weitere 79.000 auf insgesamt 3,34 Millionen angestiegen. Bei den DSL Kundenverträgen wiederum kam Vodafone im ersten Jahresquartal auf ein Nettoplus von 44.000 Verträgen und erweiterte seinen DSL Kundenbestand damit auf knapp 2,92 Millionen.

Kabel Internet steht natürlich nicht zuletzt wegen seiner deutlichen Geschwindigkeits-Vorteile im Fokus: Laut Vodafone entscheiden sich inzwischen knapp die Hälfte der eigenen Kabelneukunden für Anschluss-Geschwindigkeiten von bis zu 200 oder sogar 400 Mbit/s. Diese Entwicklung soll rasch weitergehen - Im Sommer 2017 will Vodafone bereits für 20 Prozent seiner Kabel-Haushalte 500 Megabit bereitstellen können und noch 2019 sollen im ersten "Gigabit-Bundesland" Bayern rund 70 Prozent der Haushalte mit Gigabit-Verbindungen versorgt werden können.

Den dritthöchsten Breitband-Kundenzuwachs im Q1 2017 konnte der Kabelprovider Unitymedia verzeichnen. Die Zahl der Unitymedia Internet-Abonnenten kletterte zum Jahresbeginn um 31.500 auf 3,36 Millionen. Auch Unitymedia ist um eine Erhöhung der vermarkteten Anschlussgeschwindigkeiten bemüht und rühmt sich, den leistungsstarken 400 Mbit Internetanschluss im Massenmarkt etabliert zu haben - seit einer Anpassung des eigenen Tarifportfolios im Februar ersetzt er quasi die bisherigen 200 Mbit Kabelangebote. Darüber hinaus hat Unitymedia ebenfalls bereits konkrete Pläne für die Einführung von Gigabit-Internet in der Schublade. Im März 2017 kündigte Unitymedia an, Bochum im nächsten Jahr zur ersten "Gigabit-City" auszubauen.

Diagramm: Marktanteile der deutschen Breitband-Anbieter Q1 2017

Bewegung im Digital-TV: Exklusive Inhalte, neue Plattformen

Nach einer langen Anlaufphase hat sich das eigene Fernsehangebot inzwischen zu einer wichtigen Wachstumssäule für die Deutsche Telekom entwickelt. Aktuell, so die Deutsche Telekom, sei der eigene Service sogar die einzig wachsende IPTV-Plattform in Deutschland. Nicht nur das, im Q1 2017 konnte die Telekom sogar den höchsten Zuwachs an Entertain Kundenverträgen seit drei Jahren verbuchen. Mit einem Netto-Plus von 76.000 Abonnenten verpasste die Telekom zum Quartalsende außerdem nur haarscharf die Marke von 3 Millionen aktiven Entertain Kundenverträgen.

Nachdem die Telekom das ursprüngliche Entertain bereits im letzten Jahr als EntertainTV neu aufgelegt hat, hat sie nun einen Ableger für Einsteiger angekündigt - das im Mai gelaunchte Telekom StartTV soll bereits für zwei Euro im Monat eine Art Schnupperversion für den vollen EntertainTV Service darstellen. Hier geht es vor allem um das klassische lineare Fernsehen, Abstriche müssen vor allem bei den Video on Demand Angeboten sowie den verschiedenen Streaming-Zusatzfunktionen wie den Replay- und Restart-Features gemacht werden. Als Empfangs-Hardware dient hier der abgespeckte Telekom Media Receiver Entry.

Neben den technischen Aspekten der Plattform feilt die Telekom aber auch weiter an ihrem inhaltlichen Aufgebot. So soll eine stark erweiterte Content-Strategie für zusätzlichen Schub sorgen: Während die Telekom in den letzten Jahren bereits verstärkt in den Erwerb von Sportrechten investiert hat, rücken nun erstmals auch fiktionale Inhalte in den Fokus. Wie Deutschland-Vorstand Niek Jan Van Damme Ende Mai 2017 auf der Breitbandmesse Anga Com verkündet hat, will sein Unternehmen in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in exklusiven Content stecken - darunter explizit auch in Serien.

Konkret wurde die Telekom allerdings erst beim nächsten Branchen-Event: Anfang September gab die Telekom auf der IFA erste Details zu ihrem neuen Streaming-Angebot EntertainTV Serien bekannt. Der in EntertainTV integrierte Dienst sollte im Oktober gleich mit mehreren Exklusiv-Titeln starten - dem US-Hit The Handmaid's Tale, der kanadischen Krimiserie Cardinal und der Comedy Better Things.

Diagramm Telekom Entertain TV Kundenentwicklung

Beim Konkurrenten Vodafone dürften die jüngsten Ankündigungen der Telekom keine Begeisterungsstürme auslösen. Der nämlich setzt sich für ein offeneres Modell ein, bei dem sich die Netzbetreiber in erster Linie um ihre technischen Plattformen kümmern und die wichtigen Premium-Inhalte allgemein verfügbar bleiben. Langfristig gesehen hätten exklusive Inhalte nach Ansicht des Vodafone-Chefs Vittorio Colao für die Netzbetreiber ohnehin keinen echten Wert.

Sollte es notwendig werden, so Colao, sei sein Unternehmen allerdings durchaus bereit, um exklusive Premium-Inhalte mitzubieten - was man in einigen Märkten auch bereits getan habe. Nach dem Vorstoß der Telekom dürfte es also durchaus spannend werden, ob es Vodafone gelingt, sich einem Schlagabtausch auf diesem Gebiet zu entziehen.

Auf der anderen Seite wird die Telekom erst noch den Beweis antreten müssen, dass wenige ausgewählte Exklusiv-Inhalte tatsächlich als Kaufargument taugen können. Denn grundsätzlich sieht sich Vodafone mit seinem TV-Angebot bereits sehr gut aufgestellt. So handle es sich technisch um eine der modernsten Plattformen, für die auch alle wichtigen Premium-Inhalte verfügbar sind. Gleichzeitig bezeichnet der Konzernchef Vodafone TV aber auch als "nascent platform", also ein Angebot, das gerade erst im Entstehen begriffen ist und damit überhaupt noch nicht sein volles Potenzial gezeigt hat.

Unitymedia wiederum lieferte im Q1 2017 ein Beispiel dafür, wie statt Exklusivität auch schlicht die technische Verfügbarkeit von bestehendem Premium-Content eine Plattform entscheidend voranbringen kann. Das wurde deutlich, nachdem der Kabelnetzbetreiber Mitte März eine Netflix-App für seinen Premium-Dienst Horizon TV veröffentlichte. Innerhalb von nur zwei Wochen brachte es die App auf 300.000 Zugriffe und schoss damit an die Spitze der populärsten Apps im Horizon-Store. Aber nicht nur das: Seit ihrer Einführung hat sich die Zahl der Nutzer des App-Stores verdoppelt.

Nach und nach fasst also auch Horizon TV weiter Fuß im Markt - wobei durchaus noch genug Luft nach oben ist. Im Q1 2017 ist die Zahl der Horizon Abonnenten so um 29.000 auf 617.000 angestiegen. Damit machen sie inzwischen etwa zehn Prozent der gesamten TV-Kundenbasis von Unitymedia aus.

Die Nummer Drei auf dem deutschen Kabelmarkt, Tele Columbus, verfügt nun ebenfalls über ein voll integriertes digitales TV-Angebot: Nach ausgiebigen Testphasen folgte Mitte Januar schließlich der offizielle Marktstart von Tele Columbus advanceTV. Auf die ersten belastbaren Zahlen wird man wohl auch hier noch eine ganze Weile warten müssen, die bisherige Kundenentwicklung nennt Tele Columbus allerdings schon einmal "vielversprechend".

Die nächste IPTV-Plattform ist inzwischen auch schon angekündigt. Denn im Mai 2017 hat der United Internet-Chef Ralph Dommermuth in einem Interview mit dem Handelsblatt verraten, das sein Unternehmen bis zum Jahresende ebenfalls ein eigenes Angebot herausbringen möchte. Aus technischen Gründen hätte sich das in der Vergangenheit nicht gelohnt, durch das weiter wachsende 1&1 Versatel Glasfasernetz habe sich dies in der Zwischenzeit aber geändert. Die eigene Plattform dürfte dann den bisher von 1&1 vermarkteten Entertain-Ableger "Digital-TV provided by Telekom" ersetzen. 1&1 DSL bewegt sich also auch hier ein weiteres Stück weg von seiner alten Rolle als cleverer Zweitverwerter hin zum unabhängigen Komplettanbieter (siehe hierzu unter anderem DSLWEB Breitband Report Q2 2016 und den SmartWeb Mobilfunk Report Q2 2017).


Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern

DSLWEB begleitet die Geschehnisse auf dem deutschen Breitbandmarkt nicht nur mit seinen vierteljährlichen Marktreports, sondern bereitet die Entwicklung der einzelnen Provider zudem regelmäßig im Rahmen seiner aktuellen Berichterstattung auf. Folgende News-Meldungen und Info-Grafiken liefern weitere Hintergründe zu den deutschen Breitband-Anbietern im 1. Quartal 2017:

Vorschau Diagramm Telekom DSL Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm Vodafone Breitband Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm Vodafone Kabel Internet Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm Vodafone DSL Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm 1&1 DSL Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm Unitymedia Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm o2 DSL Kundenentwicklung
Vorschau Diagramm Tele Columbus Breitband Kundenentwicklung


DSLWEB Archiv: Der deutsche Breitbandmarkt seit 2007

Bei den Berichten zu einzelnen Quartalen handelt es sich zwangsläufig um Momentaufnahmen. Trends und historische Entwicklungen allerdings zeichnen sich erst über längere Zeiträume ab.

DSLWEB begleitet den deutschen Breitband-Markt bereits seit 2007 mit regelmäßig erscheinenden Reports. Über den Gesamtindex können alle bisherigen Ausgaben zentral abgerufen werden.

Zur Gesamtübersicht: DSLWEB Breitband Report Deutschland

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Archiv der DSLWEB Marktreports