Q1 2016: Trendwende bei o2 DSL und große Konkurrenten-Schelte von der Telekom

DSLWEB Breitband Report Deutschland Q1 2016

Zum Jahresanfang gewinnt nun auch o2 endlich wieder DSL Kundenverträge, Vodafone hält nach der eigenen Trendwende weiter Kurs und United Internet probt den Einstieg ins Kabelgeschäft. Der Marktführer Telekom reagiert derweil zunehmend gereizt auf die anhaltende Kritik an seiner Ausbaustrategie.

Aktualisiert 22.12.2016
DSLWEB Breitband Report Q1 2016: Auch o2 DSL schafft die Trendwende 1 Sterne 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne (11)

Auch zum Jahresbeginn ist die Zahl der festnetzbasierten Breitband-Anschlüsse weiter angewachsen. Unterm Strich haben die sechs größten deutschen Festnetzanbieter im Q1 2016 um 292.000 auf insgesamt 28,61 Mio. Breitbandverträge zugelegt (Hinweis: In diesem Report sind die Zahlen von Tele Columbus erstmals berücksichtigt).

Für den guten Start ins neue Jahr war dabei nicht zuletzt das weitere Erstarken der klassischen DSL Anbieter verantwortlich. Zusammengenommen verzeichneten die Telekom, 1&1, Vodafone und o2 im Q1 2016 ein effektives Plus von 143.000 DSL Verträgen - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Zumindest in absoluten Zahlen lagen sie damit nicht mehr weit hinter den drei größten Kabel Internet Anbietern, die im gleichen Zeitraum auf einen Nettozugewinn von 149.000 Internet Abonnements kamen.

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Langersehntes Kundenplus: Auch o2 gelingt die Trendwende

Ganze fünf Jahre lang hatte es gedauert, bis Vodafone nach anhaltenden DSL Kundenverlusten zum Jahresende 2015 endlich wieder einen effektiven Zugewinn an DSL Kundenverträgen verzeichnen konnte (siehe Breitband Report Q4 2015). Nach einer nur unwesentlich kürzeren Durststrecke hat im Q1 2016 nun auch o2 die Trendwende geschafft: Mit einem effektiven Plus von 3.000 DSL Verträgen hat der Provider seine DSL Kundenbasis zum Jahresanfang stabil gehalten und das Quartal mit knapp über 2,1 Mio. abgeschlossen.

Diesen Erfolg hat o2 vor allem der großen Nachfrage nach schnellen VDSL Anschlüssen zu verdanken. Denn in diesem Segment konnte der DSL Anbieter alleine zwischen Januar und Ende März 76.000 Neuanschlüsse verzeichnen, wodurch der Wegfall von Kundenverträgen an anderer Stelle kompensiert werden konnte. Insgesamt zählte o2 zum 31. März bereits 593.000 VDSL Anschlüsse.

Für die Bereitstellung seiner VDSL Angebote setzt o2 übrigens vor allem auf eine Kooperation mit dem Marktführer Telekom. Seine Wachstumschancen im Festnetz macht o2 daher auch nicht unwesentlich von den künftigen Ausbaufortschritten der Telekom im Bereich VDSL und VDSL Vectoring abhängig. Trotz der aktuellen Vertragszuwächse dürfte die Trendwende bei den Festnetzumsätzen für o2 allerdings noch auf sich warten lassen - diese sind im Vergleich zum Vorjahresquartal nochmals um 3,1 Prozent auf 253 Mio. Euro zurückgegangen.


Diagramm: Kundenzahlen der führenden Breitband-Anbieter in Deutschland Q1 2016

DSL Geschäft von Vodafone stabilisiert sich weiter

Die im letzten Quartal eingeleitete Trendwende hat Bestand - im Q1 2016 konnte Vodafone nun um weitere 38.000 DSL Kundenverträge zulegen und zählte zum 31. März wieder mehr als 2,8 Millionen DSL Verträge. Die leichte Erholung des DSL Kundenbestands hat auch dem Festnetzumsatz gutgetan, wenngleich der Serviceumsatz mit DSL und VDSL Produkten im Q1 noch 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert lag.

Im Kabelsegment wiederum hat das anhaltend starke Kundenwachstum dafür gesorgt, dass der Serviceumsatz in dieser Sparte im Vergleich zum Vorjahr um 9,4 Prozent angestiegen ist. Im Q1 2016 konnte Vodafone weitere 96.000 Kabel Internet Abonnements hinzugewinnen und damit die Marke von 3 Millionen Verträgen überspringen.

Nach etwa zweieinhalb Jahren ist nun auch die Integration der beiden Netze fast abgeschlossen. Durch die Eingliederung der ehemaligen Kabel Deutschland Infrastruktur verfügt Vodafone inzwischen über ein rund 400.000 Kilometer spannendes Glasfaser-Netz, über das der Provider Next-Generation Highspeed-Anschlüsse für 14 Millionen Haushalte bereitstellen kann. Insgesamt erreicht der Netzbetreiber sogar eine Highspeed-Abdeckung von 59 Prozent der Bevölkerung, ist dabei aber zu einem beträchtlichen Teil auf fremde Infrastruktur angewiesen - entsprechende Vorleistungsprodukte ermöglichen es Vodafone nach eigenen Angaben, Highspeed-Verbindungen für weitere 10 Millionen Haushalte zu realisieren.


Diagramm: Marktanteile der führenden Breitband-Anbieter in Deutschland Q1 2016

1&1 kauft sich ins Kabel ein - zumindest ein bisschen

In noch weitaus größerem Maße auf fremde Netze angewiesen ist die United Internet-Tochter 1&1, die erst mit dem Zukauf von Versatel Ende 2014 überhaupt direkten Zugriff auf eine eigene Breitband-Infrastruktur bekommen hat. Trotzdem läuft das Festnetz-Geschäft, im Q1 2016 konnte 1&1 die Zahl seiner Breitband-Kunden um weitere 40.000 auf inzwischen 4,36 Millionen steigern. Und das obwohl der Provider sein Hauptaugenmerk aktuell auf die Vermarktung seiner Mobile Internet Angebote legt, was ihm auch im Q1 ein stattliches Plus von 200.000 Mobilfunkverträgen einbrachte.

Während sich 1&1 auf den Mobilfunk und seine Cloud-Produkte konzentriert, hat United Internet möglicherweise eine wichtige Weiche für das Festnetzgeschäft gestellt: Im Februar hat sich der Internet-Konzern ein Aktienpaket von rund 15 Prozent an Tele Columbus vertraglich gesichert. Nach der Genehmigung durch das Bundeskartellamt im März konnte United Internet seine bereits bestehende Beteiligung so auf 25,11 Prozent aufstocken und wurde damit zum größten Anteilseigner des Kabelnetzbetreibers.

Laut eigener Aussage ist United Internet derzeit aber nicht an einer Übernahme interessiert und erwägt daher auch keine höhere Beteiligung - ein Aktienanteil von 30 Prozent würde United Internet dazu verpflichten, ein entsprechendes Angebot an den Rest der Aktionäre abzugeben.

Tele Columbus zementiert seine Position als Nummer Drei

Der Griff zu Tele Columbus würde United Internet tatsächlich direkt zu einer festen Größe im Kabelsegment machen. Denn der Kabelanbieter hat im letzten Jahr seinerseits mehrere Mitbewerber - darunter Primacom und Pepcom - aufgekauft und damit seine Position als drittgrößter deutscher Kabelnetzbetreiber hinter Vodafone und Unitymedia fest verankert.

Zusammengenommen zählt die neu aufgestellte Tele Columbus Gruppe inzwischen 3,6 Millionen angeschlossene Haushalte, von denen zum 31. März rund 2,43 Millionen mit Kabelprodukten versorgt wurden. Die Zahl der Kabel Internet Abonnements beläuft sich auf immerhin 475.000, im Q1 2016 konnte Tele Columbus hier ein Plus von 13.000 Kundenverträgen verzeichnen.

Damit ist Tele Columbus grundsätzlich stark aufgestellt - im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Unternehmensumsatz durch die Zukäufe von 53,6 Mio. Euro auf 116,1 Mio. Euro mehr als verdoppelt, auch auf vergleichbarer Basis beträgt das Umsatzplus noch 5,0 Prozent. Allerdings waren die Übernahmen auch ein gewaltiger Kraftakt: Unterm Strich hat Tele Columbus im Q1 2016 daher auch einen Verlust von 17,7 Mio. Euro eingefahren und inzwischen Schulden von rund 1,2 Mio. Euro angehäuft.

Deutsche Telekom: Angriff ist die beste Verteidigung

Für die Deutsche Telekom ging es im Q1 2016 weiter aufwärts, die Zahl ihrer DSL Kundenverträge kletterte um 62.000 auf insgesamt 12,7 Millionen. Die entscheidende Zahl des Quartals war laut Telekom aber eine andere, denn erstmals hatte das Unternehmen mehr als 5 Millionen Glasfaser-Anschlüsse in Betrieb. Allein in den ersten drei Monaten 2016 verbuchte die Telekom dabei einen Rekord-Zuwachs von 660.000 Anschlüssen.

Dabei sind zwei Faktoren zu beachten: Zum einen zählt die Telekom hier neben "echten" FTTH oder FTTB Glasfaseranschlüssen auch Vectoring-Verbindungen und die klassischen VDSL Anschlüsse mit. Zum anderen beinhaltet die Zahl auch sämtliche Anschlüsse, welche die Telekom ihren Konkurrenten gegen Mietgebühren bereitstellt. Diese wiederum machen einen beträchtlichen Anteil aus, denn von den 5 Millionen geschalteten Anschlüssen werden rund 1,7 Millionen von Mitbewerbern unter eigenem Namen vermarktet. Von dem Rekordzuwachs im Q1 verfielen 297.000 auf Telekom-Konkurrenten.

Dass die Telekom diese Kennzahlen im Q1 2016 offensiv in den Vordergrund gestellt hat, kommt nicht von ungefähr. Denn der Marktführer sieht sich zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt, was seine Rolle beim Breitband-Ausbau angeht. Ein ständiger Kritikpunkt ist etwa, dass die Telekom vornehmlich auf den VDSL-Beschleuniger Vectoring setzt, statt die Direktanbindung von Haushalten per Glasfaser voranzutreiben. Darüber hinaus würde der Netzbetreiber beim Ausbau "Rosinenpickerei" betreiben und immer wieder die bereits vorhandene Infrastruktur regionaler Anbieter an attraktiven Standorten mit eigener Technik "überbauen".

Auf die Spitze getrieben wurde der Streit durch einen Antrag der Telekom an die Bundesnetzagentur aus dem Februar 2015. Gegen eine feste Ausbauzusage wollte sich der Marktführer das exklusive Recht am Einsatz des Vectoring-Verfahrens in den Nahbereichen sämtlicher deutschen Hauptverteiler sichern. Trotz heftiger Proteste aus der Branche hat die Behörde den Deal im April 2015 mit gewissen Einschränkung der Telekom Vectoring Exklusivität abgenickt. Das letzte Wort ist damit allerdings noch keineswegs gesprochen, denn inzwischen hat die EU-Kommission erhebliche rechtliche Bedenken gegen den Regulierungsentwurf angemeldet und unterzieht diesen aktuell einer eingehenden Überprüfung.

Die Telekom aber hat die Rolle als Buhmann inzwischen gründlich satt und greift ihrerseits die Konkurrenz an. Die Verärgerung kam auch in der Rede von Telekom-Chef Timotheus Höttges auf der zurückliegenden Hauptversammlung deutlich zum Vorschein: "Unsere Wettbewerber kritisieren und jammern in einer Tour. Mal finden sie die Mieten zu hoch, die sie für unser Netz zahlen. Mal haben wir angeblich die falsche Technik. Dann ist der Ausbau angeblich zu langsam. Aber sobald wir ausgebaut haben, nehmen genau diese Kritiker unser Netz. Sie vermarkten unsere Produkte unter eigenem Namen. Es wäre besser für Deutschland, wenn andere auch ausbauen. Jammern baut kein Netz. Besser investieren als kritisieren. Dann hätten wir echten Wettbewerb der Infrastrukturen."



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