Breitbandmarkt 2026: Der steinige Weg in die Glasfaser-Zukunft
DSLWEB Breitband Report Deutschland 2026
Trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen? Für viele kleinere Marktteilnehmer könnte 2026 zum Schicksalsjahr werden. Doch auch die großen Akteure stehen unter Druck. Denn während die Glasfasernetze zügig wachsen, werden noch immer viel zu wenige Endkunden erreicht - selbst die Deutsche Telekom ist zum Strategiewechsel gezwungen.

Themen im Überblick
Politischer Rückenwind für den Netzausbau
Seit Sommer 2025 ist es gesetzlich festgeschrieben: Der Ausbau der schnellen Glasfasernetze ist in Deutschland von überragendem öffentlichen Interesse. Diese Einordnung ist Teil der im Juli in Kraft getretenen TKG-Novelle 2025 und soll helfen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen - potenzielle Einwände müssen im Zweifelsfall künftig hintenanstehen.
Die Gesetzesänderung ist nur ein erster Schritt zur Umsetzung gültiger EU-Vorgaben. Bereits 2023 hatte die Europäische Union im Rahmen ihres Politikprogramms "Digitale Dekade" das Ziel der Gigabit-Vollversorgung bis 2030 ausgegeben. Seit November 2025 treten nun schrittweise die Vorgaben aus der europäischen Gigabit-Infrastrukturverordnung (Gigabit Infrastructure Act, kurz GIA) in Kraft. Im Zuge des Maßnahmenpakets stehen 2026 auch auf nationaler Ebene weitere wichtige Weichenstellungen durch den Gesetzgeber an - das Ringen um die Ausgestaltung ist in vollem Gange.
Kundenzahlen Breitband-Anbieter Q3 2025
Quelle: DSLWEB Breitband Report
Bereits im Juli 2025 hat das neue Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) ein Eckpapier für eine weitere Anpassung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) vorgelegt. Die TKG Novelle 2026 verspricht unter anderem beschleunigte Genehmigungsverfahren, die gegebenenfalls auch durch einfache Anzeigeverfahren ersetzt werden können, Änderungen beim Gigabit-Grundbuch sowie neue Regelungen für die Glasfaser-Erschließung von Mehrfamilienhäusern. Gerade der letzte Punkt birgt noch einiges an Streitpotenzial - und wird uns später noch einmal begegnen. Nach der ersten Konsultationsphase geht es nun an die Umsetzung des Entwurfs. In der Branche wird die konkrete Gesetzesänderung für den Sommer 2026 erwartet.
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News vom 22.01.2026
Glasfaser 2026: Das dicke Aufgabenheft der deutschen Politik
Vodafone mit erstem Glasfaser-Meilenstein
Während die Politik um die nächsten Weichenstellungen ringt, hat der Glasfaserausbau weiter an Fahrt aufgenommen. Im vergangenen Jahr ist nun auch bei Vodafone Deutschland Bewegung in die Sache gekommen. Für den FTTH Ausbau hatte der Kabelnetzbetreiber bereits 2023 das Joint Venture OXG gegründet. Nach erheblichen Anlaufproblemen reichte im Herbst 2025 nun für eine erste positive Wasserstandsmeldung: Anfang September konnte der Deutschland-Chef Marcel de Groot die Marke von 1 Million erreichten Glasfaser-Haushalten vermelden. Damit sind jedoch bestenfalls die ersten Schritte auf einem langen Weg gemacht - insgesamt soll OXG in den kommenden Jahren rund 7 Millionen Haushalte für echtes Glasfaser-Internet erschließen.
Jedoch betont Vodafone, dass die OXG Glasfaser den eigenen Kabelkunden nicht aufgedrängt werden soll. Ohnehin soll ein erheblicher Teil des Glasfaserausbaus - rund 20 Prozent - außerhalb der eigenen Kabelgebiete stattfinden. Letztlich steht für Vodafone bis auf weiteres also das bereits gigabit-fähige Kabel Internet an erster Stelle. Performance-Schwächen will der Betreiber dabei durch die weitere Segmentierung des Netzes entgegentreten.
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News vom 05.02.2026
Breitbandmarkt 2026: Vodafone und seine vielen Fehltritte
Raus aufs Land: Deutsche Telekom wirft Ausbaustrategie um
Die entscheidende Kraft beim Glasfaserausbau in Deutschland ist nach wie vor die Deutsche Telekom. Die "Telekom Fiber Factory" läuft dabei längst auf Anschlag und verzeichnet inzwischen einen jährlichen Zuwachs von rund 2,5 Millionen neu erschlossenen Haushalten. Auch 2026 will die Telekom diese Schlagzahl wieder erreichen.
Doch ein großes Problem besteht immer noch: Die gerade genannten Ausbauzahlen der Telekom beziehen sich grundsätzlich auf die Zahl der theoretisch anschließbaren Haushalte (Homes Passed), nicht auf die tatsächlich umgesetzten Hausanschlüsse. Denn diese hinkt weiterhin deutlich hinterher (siehe auch DSLWEB Breitband Report 2025).
Deutsche Telekom: Glasfaserausbau
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2026
Aufgrund der immer noch überschaubaren Nachfrage kann das Glasfaser-Internet dem Breitbandgeschäft der Telekom derzeit auch nicht den entscheidenden zusätzlichen Schwung geben. Das hat sich zuletzt nämlich empfindlich abgeschwächt: Erstmals seit über einem Jahrzehnt war die Zahl der Telekom Breitband-Kundverträge im vergangenen Jahr rückläufig - und das sogar durchgehend.
Zu dieser Entwicklung hat letztlich auch die verringerte Kundenabwanderung bei Vodafone beigetragen - das Neukundengeschäft der Telekom hatte sich zuletzt wesentlich aus den abtrünnigen Kabelkunden gespeist. Ein wesentlich wichtigerer Faktor dürfte allerdings das weitere Erstarken der kleineren lokalen Netzbetreiber gewesen sein. Die sogenannten "Altnets" konnten dem der Telekom zuletzt erfolgreich Marktanteile abspenstig machen. Das wiederum gelingt in erster Linie dort, wo die Telekom nicht mit einem eigenen Glasfaser-Netz vertreten ist. Daraus zieht der Netzbetreiber nun Konsequenzen - und setzt auf eine neue Ausbau-Strategie.
Künftig will die Telekom ihren Fokus verstärkt auf die ländlichen Regionen legen und hier in den Abwehrkampf gegen die alternativen Netzbetreiber gehen. Davon verspricht sie sich noch einen weiteren Effekt: Außerhalb der Städte ist die tatsächliche Anschlussquote deutlich höher. Wenn die Glasfaser erst einmal in das Zuhause der Endkunden reicht, ist letztlich auch der Weg zur Monetarisierung offen - selbst, wenn die Bewohner nicht sofort einen passenden Nutzungsvertrag abschließen.
Beginnt 2026 das große Anbietersterben?
Die Altnets mögen derzeit zwar ein Stachel im Fleisch der Deutschen Telekom sein, langfristiger Erfolg wird aber wohl nur wenigen von ihnen vergönnt sein. Laut dem Branchenverband VATM sind in Deutschland sogar mehr als 300 Unternehmen aktiv, die Glasfasernetze ausbauen oder betreiben. Die allermeisten davon könnten allerdings weniger als 10.000 Kunden aufweisen - und seien aus Sicht des Verbands damit nicht dauerhaft überlebensfähig.
Das entspricht auch der Einschätzung der Wirtschaftsberater von PwC Deutschland. In ihrem Ausblick auf die Zukunft der regionalen Glasfasernetze in Deutschland aus dem Herbst 2025 mahnen sie an, dass Unternehmen mit weniger als 20.000 es zunehmend schwerer haben werden und viele von ihnen gezwungen sein werden, ihre Infrastruktur zu verkaufen. Eigentlich sei eine größere Marktkonsolidierung längst überfällig, bislang seien jedoch die Erwartungen der Eigentümer bezüglich der möglichen Verkaufspreise (noch) unrealistisch hoch gewesen.
In den letzten Jahren haben unter anderem viele Stadtwerke Breitband-Netze aufgebaut. Beim Betrieb und Kundenservice stoßen diese nun aber immer häufiger an ihre Grenzen und geben die kommunalen Netze an etablierte Netzbetreiber ab. Ein Beispiel sind die Stadtwerken Rüsselsheim, die ihr Bestandsnetz mit über 12.500 erschlossenen Haushalten im August 2025 an die Deutsche GigaNetz verkauft haben.
Auch die Deutsche Telekom hat vor dem Jahresende zugeschlagen und sich das Essener Glasfasernetz des Dortmunder Netzbetreibers DOKOM21 gesichert, der sich künftig wieder auf sein Kerngebiet konzentrieren will. Man kann davon ausgehen, dass der Marktführer auch 2026 weiter Ausschau nach vergleichbaren Infrastruktur-Deals halten wird. Denn auch wenn die Telekom "klassischen" Übernahmen gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt ist, hat sie doch immer wieder betont, dass sie nicht dafür zuständig sei, Unternehmen aufzufangen, die durch ihr eigene verfehlte Planung in Schieflage geraten sind. Genau das treffe aber auf die meisten potenziellen Übernahmekandidaten zu.
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News vom 16.01.2026
Glasfaser 2026: Bleiben kleine Netzbetreiber jetzt auf der Strecke?
1&1 in Wartestellung: Was kommt nach dem Übergangsjahr?
Was aber machen Marktteilnehmer, die ihre Glasfaserangebote vor allem über fremde Netze bereitstellen? 1&1 hatte bislang Schwierigkeiten, die eigenen Tarife an den Mann zu bringen. Das große Problem für 1&1 bei der Glasfaser-Vermarktung: In der Aufbauphase der Netze sei der Markt noch sehr stark vom Haustürgeschäft geprägt, während 1&1 traditionell auf den Online-Vertrieb spezialisiert ist.
Nach 2025, das der Anbieter als "Übergangsjahr" beschreibt, wittert 1&1 2026 aber neue Chancen. Denn auch das Glasfasergeschäft sei inzwischen auf dem Weg zum Wechslermarkt, da nun mehr und mehr Erstverträge auslaufen. Aber noch etwas ändert sich 2026: Ende November hat 1&1 den Kauf des Schwesterunternehmens 1&1 Versatel mitsamt seinem ca. 67.000 Kilometer langen Glasfasernetz bekanntgegeben. Die Infrastruktur, auf die 1&1 sowohl für seine Internet- und IPTV-Dienste als auch sein neues Mobilfunknetz zurückgreift, wandert so direkt unter das eigene Dach.
Kampf um die Hausverkabelung: Neue Impulse in den Städten?
Dass es die Telekom aktuell in den ländlichen Raum zieht, ist nicht nur den Kundenverlusten an die dortigen Altnets geschuldet. Denn eigentlich warten in den dicht besiedelten Städten ja auch die meisten potenziellen Kunden. Zudem kann die Glasfaser hier - zumindest in der Theorie - relativ schnell zu sehr vielen Haushalten gebracht werden.
Doch die städtischen Wohnkomplexe sind das traditionelle Revier der Kabelnetzbetreiber. Diese können vielerorts schon längst Gigabit-Geschwindigkeit bereitstellen - auch wenn das echte FTTH Glasfaser-Internet dem Kabelanschluss technisch weit überlegen ist. Das dämpft die Nachfrage nach den neuen Highspeed-Anschlüssen, allzu oft bleiben die Glasfaserleitungen so schlicht in der Straße vor den Häusern liegen.
Diese Schere zeigt sich sehr klar in den gemeinsamen Schätzungen der Breitband-Verbände ANGA und VATM. Demnach waren Ende 2025 etwa 35 Prozent der Einfamilienhäuser in Deutschland bereits mit Glasfaseranschlüssen versorgt. Bei den Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern lag diese Quote hingegen erst bei rund 17 Prozent. Letztere machen jedoch gut zwei Drittel der rund 43,8 Millionen Wohneinheiten in Deutschland aus.
Dieses Problem wird durch einen weiteren Umstand zusätzlich verschärft: Anders als bei Einfamilienhäusern ist es hier mit dem einfachen Hausanstich noch längst nicht getan. Denn um in die Wohnungen der Endkunden zu erreichen, benötigen die Anbieter außerdem Zugang zur Hausverkabelung, der Netzebene 4.
Doch was ist, wenn der Vermieter bei der Erneuerung der Inhouse-Verkabelung auf die Bremse tritt? Welche Rechte und Verpflichtungen ergeben sich für ausbauende Unternehmen? Oder sollten die Netzbetreiber ganz außen vor bleiben? Gerade die großen Wohngenossenschaften würden die Netzebene 4 gerne komplett in der eigenen Hand behalten und entsprechende Entgelte von den Anbietern erheben.
Die kommende TKG-Novelle 2026 könnte für die Netzbetreiber in diesem Punkt buchstäblich zum Türöffner werden. Denn das Eckpunktepapier sieht hier unter anderem ein "Recht auf Vollausbau" vor. Sobald eine Wohnung im Gebäude ans Glasfasernetz angeschlossen wird (was nur aus triftigen Gründen verweigert werden kann), soll der Netzbetreiber künftig automatisch das gesamte Gebäude erschließen dürfen.
Ob es der Vorschlag ins Gesetz schafft, wird sich aber erst noch zeigen. Denn nicht nur stellen sich die Kabelnetzbetreiber erwartungsgemäß gegen den Überbau ihrer Koax-Leitungen, auch Wohnungswirtschafts-Verbände wie Haus & Grund Deutschland, GdW und BFW sehen hierin einen unzulässigen Eingriff in Eigentumsrechte und Wettbewerb.
Kupferabschaltung: Wird 2026 das Ende von DSL eingeläutet?
Ein weiteres Eckpunktepapier des BMDS aus dem Oktober 2025 widmet sich der anstehenden Kupferabschaltung. Der europäische Gigabit Infrastructure Act, der die deutsche Gesetzgebung derzeit antreibt, sieht eigentlich vor, dass bereits 2030 die Gigabit-Verfügbarkeit für alle Haushalte sichergestellt und der klassische DSL Anschluss damit obsolet ist.
Aber schon jetzt ist klar, dass sich die endgültige DSL Abschaltung in Deutschland länger hinziehen wird. Auch das Ministerium räumt direkt ein, dass hierzulande erst 2035 bis 2040 mit einer vollständigen Abschaltung des Kupfernetzes zu rechnen ist. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen würden die ersten Abschaltungen sogar frühestens 2028 starten.
Das BMDS will für diesen Prozess nun die notwendigen Leitplanken einschlagen und den Übergang nach Möglichkeit beschleunigen. Im Detail muss aber noch um viele Punkte gerungen werden. Ein großer Streitpunkt ist etwa die Frage, wer die DSL Anschaltung in den Ausbaugebieten beantragen kann - Stand jetzt ist dies der Telekom als Betreiber des Kupfernetzes vorbehalten. Das BMDS will der Bundesnetzagentur (BNetzA) daher passende Instrumente zur Verfügung stellen, um einheitliche Abschaltregeln zu etablieren und Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern (mehr Informationen zum geplanten Ablauf unter DSL Abschaltung).
Aber vielleicht fällt der Startschuss auch viel früher als gedacht - wenn es nach dem Willen des Branchenverbands BREKO geht. In seiner Stellungnahme zum Eckpunktepapier fordert dieser nämlich, die Kupferabschaltung umgehend anzugehen. Nach dessen Konzept soll der dreijährige Übergangsprozess für mindestens 5 Prozent der Haushalte sofort eingeleitet werden. Für bereits mit Glasfaser erschlossene Wohneinheiten (Homes Connected) könne unterdessen direkt ein Vermarktungsstopp für Kupferprodukte erwirkt werden.
Marktanteile Breitband-Anbieter Q3 2025
Quelle: DSLWEB Breitband Report
Infografiken: Entwicklung der Breitband-Kundenzahlen
Wie haben sich die Kundenzahlen der großen Breitband-Anbieter in den letzten Monaten entwickelt? Unsere Infografiken geben einen detaillierten Einblick zu den Bewegungen auf dem deutschen Festnetzmarkt.
Deutsche Telekom: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2025
Vodafone: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2026
1&1 DSL: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2025
o2 DSL: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2025

DSLWEB Archiv: Der deutsche Breitbandmarkt seit 2007
Bei den Berichten zu einzelnen Quartalen und Geschäftsjahren handelt es sich zwangsläufig um Momentaufnahmen. Trends und historische Entwicklungen allerdings zeichnen sich erst über längere Zeiträume ab.
DSLWEB begleitet den deutschen Breitband-Markt bereits seit 2007 mit regelmäßig erscheinenden Reports. Über den Gesamtindex können alle bisherigen Ausgaben zentral abgerufen werden.
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