Breitbandmarkt 2025: Zwischenzeugnis für den Glasfaser-Ausbau
DSLWEB Breitband Report Deutschland 2025
Mangelnde Tiefbau-Kapazitäten, versandete Gesetzesintiativen und jede Menge Streit um den Überbau - dem schnellen Netzausbau stellen sich viele Hürden in den Weg. Darüber hinaus gestaltet sich auch die Refinanzierung weiterhin schwierig. Ist die Breitband-Strategie des Bundes gescheitert?

Themen im Überblick
Kundenzahlen Breitband-Anbieter Q3 2025
Quelle: DSLWEB Breitband Report
Glasfaserausbau: Vollversorgung noch in weiter Ferne
Bis Ende des Jahres 2025 soll das erste große Glasfaser-Ausbauziel in Deutschland erreicht sein. So sieht es zumindest die Mitte 2022 beschlossene Glasfaser-Strategie des Bundes vor.
Die Branche ist sich weitgehend einig - das sollte zu schaffen sein. Ernsthafte Zweifel herrschen stattdessen am eigentlichen Hauptziel, denn bereits 2030 sollen die modernen Glasfaseranschlüsse flächendeckend zu Verfügung stehen. Das dürfte unter den aktuellen Vorzeichen kaum noch zu bewältigen sein. Der Branchenverband BREKO etwa geht in seiner Marktanalyse 2024 davon aus, dass die Ausbauquote Ende 2030 lediglich zwischen 76 und 86 Prozent betragen wird.
Darüber hinaus gilt es bei den Zahlen zum Glasfaser-Ausbau eines zu beachten: Als "versorgt" gilt ein Haushalt schon dann, wenn eine Glasfaserleitung bzw. geeignete Leerrohre am Grundstück vorbeiführen. Die Anschlussquote, also der Anteil der Haushalte, bei denen die Glasfaser tatsächlich im Gebäude anliegt, ist deutlich geringer. Entsprechend sieht die BREKO-Schätzung für 2030 hier auch nur einen Wert zwischen zwischen 48 und 58% Prozent vorher.
Ist die Breitband-Strategie bereits gescheitert?
Ein ganz grundsätzliches Problem für den zügigen Glasfaser-Ausbau in Deutschland ist der Mangel an Tiefbaukapazitäten. Auch mit Verstärkung aus dem Ausland - selbst ein begrenztes Gut - kann der Bedarf offenbar längst nicht mehr gedeckt werden. Das hat die Deutsche Telekom 2023 sogar dazu getrieben, ein eigenes Tiefbau-Unternehmen zu gründen - die Deutsche Telekom Tiefbau GmbH, für die bis Ende 2024 rund 230 Mitarbeiter rekrutiert werden sollten.
In den nächsten Jahren werden die ausbauenden Unternehmen nicht nur wegen der anhaltenden Inflation noch knapper kalkulieren müssen. Denn darüber hinaus wird nun auch die staatliche Förderung für Ausbauprojekte deutlich zurückgefahren. Im Jahr 2023 wurden für den Gigabit-Ausbau noch 3,6 Mrd. Euro an Bundesmitteln für den Gigabit-Ausbau zur Verfügung gestellt. Für das Jahr darauf bewilligte das BMVD nochmals rund 3 Mrd. Euro. Die aktuelle Förderrunde, die im Februar 2025 beschlossen wurde, sieht hingegen nur noch 1,2 Mrd. Euro an Zuschüssen vor.
Eine andere politische Initiative, die auch die Glasfaser in Deutschland hätte vorantreiben sollen, ist auf den letzten Metern krachend gescheitert: Das Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz (TK-Nabeg). Rund anderthalb Jahre nach dem ersten Entwurf sollte die Initiative Ende 2024 endlich auf den Weg gebracht werden. Kurz zuvor kam es jedoch zum Zusammenbruch der Ampel-Koalition. In der Folge wandte sich der ursprüngliche Initiator FDP von dem Gesetz ab und es konnte sich keine Mehrheit für die Verabschiedung finden.
| Jahr | Homes Passed | Homes Connected | Homes Activated |
|---|---|---|---|
|
Schätzung |
24,8 Mio. |
9,9 Mio. |
6,1 Mio. |
|
2024 |
21,1 Mio. |
8,8 Mio. |
5,2 Mio. |
|
Halbjahr |
18,9 Mio. |
8,1 Mio. |
4,6 Mio. |
|
2023 |
16,9 Mio. |
7,6 Mio. |
4,2 Mio. |
|
2022 |
13,0 Mio. |
6,5 Mio. |
3,4 Mio. |
|
2021 |
8,9 Mio. |
5,5 Mio. |
2,6 Mio. |
Streit um den Doppel-Ausbau eskaliert
Laut einer Telekom-Studie sind rund 250 Netzbetreiber am Glasfaser-Ausbau in Deutschland beteiligt. Die mit Abstand meisten Haushalte werden inzwischen von der Deutschen Telekom an die Glasfaser gebracht. Glaubt man den Mitbewerbern, soll der Marktführer dabei aber alles andere als fair agieren.
Der Vorwurf steht schon lange im Raum: Die Telekom soll immer wieder gezielt die Netze der Konkurrenten überbauen. Das geschehe natürlich stets in besonders lukrativen Ausbaugebieten - die Telekom betreibe also "Rosinenpickerei". Aber nicht nur das. Oftmals reiche schon die bloße Ankündigung durch die Telekom, in einem Gebiet ausbauen zu wollen, um den Vertriebsbemühungen der vor Ort bereits aktiven Mitbetreiber zu schaden.
Auf Drängen der Mitbewerber hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Juli 2023 schließlich eine eigene Monitoringstelle eingerichtet, um den Doppel-Ausbau genauer zu beobachten. Im April 2024 wurde deren erster Zwischenbericht veröffentlicht.
Das Fazit aus den insgesamt 427 untersuchten Fällen fiel zweigeteilt aus. Zum einen wurde festgestellt, dass sich die konkreten Überbau-Vorwürfe gegen die Telekom und die Konkurrenz in etwa die Waage gehalten haben. Andererseits aber habe sich auch gezeigt, dass die Telekom dabei wohl tatsächlich häufiger kurzfristig auf bereits aktive Mitbewerber reagiert und den Doppel-Ausbau auf besonders profitable Kerngebiete beschränkt hat. Eine belastbare wettbewerbliche Bewertung sei auf Basis dieser ersten Bestandsaufnahme jedoch noch nicht möglich.
Die abwartende Haltung der BNetzA stieß bei den großen Branchenverbänden auf Unverständnis. Im Januar 2025 setzen VATM und BREKO der Behörde schließlich ein Ultimatum: Sollte die BNetzA kein Missbrauchsverfahren gegen die Deutsche Telekom eröffnen, wollen sich die Mitglieds-Unternehmen nun direkt mit einer offiziellen Beschwerde an die EU-Kommission wenden.
Bleibt Glasfaser Internet vorerst Ladenhüter?
Trotz aller Hürden ist die Glasfaser Verfügbarkeit zuletzt so rasch angestiegen wie nie zuvor. Es werden also im Eiltempo neue potenzielle Kunden erschlossen - die Nachfrage nach Glasfaser-Angeboten hält sich allerdings noch in Grenzen. Laut der 6. Gigabit-Studie des VATM galten Mitte 2024 etwa 18,9 Mio. Haushalte in Deutschland als versorgbar. Davon hatten jedoch gerade einmal 4,6 Mio. "aktive" Haushalte auch einen passenden Glasfasertarif gebucht.
Diese deutlich Schere dürfte in absehbarer Zeit weiter bestehen bleiben. Auch in der gemeinsamen Glasfaser-Studie von Telekom und EY aus dem Januar 2025 fällt die betreffende Prognose so recht verhalten aus. Demnach sollen bis 2027 fast 70 Prozent der deutschen Haushalte versorgbar sein. Der Anteil der aktiven FTTH Haushalte soll zwischen 2024 und 2027 aber lediglich um 12 Prozentpunkte auf 25 Prozent ansteigen.
Wie die Studie extra noch einmal betont, generieren aber eben nur aktive Kundenhaushalte auch Erlöse, die für die Refinanzierung des teuren Netzausbaus sorgen. Die Glasfaserbetreiber brauchen also einen langen Atem und die ersten Anbieter haben die Wette auf die Zukunft auch schon verloren. Zu den bekannteren Namen, die in den letzten Jahren in die Insolvenz gerutscht sind, gehören etwa HelloFiber, HeliNet und Glasfaser Direkt.
Es sind aber keineswegs nur die kleineren Marktteilnehmer, deren Pläne schnell in Schieflage geraten können: Wie das Handelsblatt Ende Februar 2025 berichtet hat, lotet der französische Investor Altice inzwischen aktiv den Ausstieg aus seiner Glasfaser-Kooperation mit Vodafone aus. Eigentlich soll das Joint Venture OXG bis 2030 rund 7 Millionen zusätzliche Glasfaser-Haushalte in Deutschland erschließen - und ist damit ein zentraler Teil der Ausbaustrategie von Vodafone.
Marktanteile Breitband-Anbieter Q3 2025
Quelle: DSLWEB Breitband Report
Weiterführende Informationen zu den einzelnen Anbietern
DSLWEB begleitet die Geschehnisse auf dem deutschen Breitbandmarkt nicht nur mit seinen Marktreports, sondern bereitet die Entwicklung der einzelnen Provider zudem regelmäßig im Rahmen seiner aktuellen Berichterstattung auf. Folgende News-Meldungen und Info-Grafiken liefern weitere Hintergründe zu den deutschen Breitband-Anbietern in 2025:
Deutsche Telekom: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2025
Vodafone: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2026
1&1 DSL: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2025
o2 DSL: Kundenentwicklung Breitband
Quelle: DSLWEB Breitband Report 2025
News zum Breitbandmarkt 2025
Als Ergänzung zum Breitband Report bereitet DSLWEB die Geschehnisse auf dem deutschen Markt regelmäßig in aktuellen Newsberichten auf. Hier sind die gesammelten Meldungen aus 2025:

DSLWEB Archiv: Der deutsche Breitbandmarkt seit 2007
Bei den Berichten zu einzelnen Quartalen und Geschäftsjahren handelt es sich zwangsläufig um Momentaufnahmen. Trends und historische Entwicklungen allerdings zeichnen sich erst über längere Zeiträume ab.
DSLWEB begleitet den deutschen Breitband-Markt bereits seit 2007 mit regelmäßig erscheinenden Reports. Über den Gesamtindex können alle bisherigen Ausgaben zentral abgerufen werden.
Zur Gesamtübersicht: DSLWEB Breitband Report Deutschland








